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Trauma-Dreieck in der Familienmediation

Drei Ebenen der emotionalen Wahrnehmung: Großeltern – Eltern – Kind. Ein Blick auf die Verstrickungen

Warum ist es für manche Eltern so schwer auszuhalten, wie die eigenen Eltern mit den eigenen Kindern umgehen?

Zu den vielen Anlässen für eine Familienmediation zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern oder Elternteilen gehört immer wieder der strittige Umgang zwischen Großeltern und Enkelkindern. Regelmäßig bietet dieses Verwandtschaftsverhältnis Anlass für teils stark eskalierte Konflikte. Manchen Eltern fällt es schwer, den Umgang mit Oma und Opa überhaupt zuzulassen, andere Eltern lassen den Kontakt zwar zu, leiden jedoch stark darunter. In manchen Fällen führt dies sogar dazu, dass Eltern ihren eigenen Eltern und damit den Großeltern den Kontakt zu den Enkelkindern verbieten. Liegt ein solcher Konflikt vor, dann gilt es für uns Mediatoren in der Familienmediation besonders genau hinzuschauen.

Wo liegen die Ursachen für die Konfliktdynamik?

Der Wunsch vieler junger Eltern, das eigene Familienleben schöner, besser und friedlicher zu gestalten als die eigenen Eltern dies in der Herkunftsfamilie getan haben, ist ein Vorsatz, der beinahe jede Familiengründung begleitet.

Und oft gelingt dies zu Beginn der Familiengründung auch. Junge Eltern haben mühselig gelernt, sich aus den alten Mustern zu befreien, die da hießen Schuldzuweisungen, Nichtbeachtung, in seinem Potential nicht erkannt werden, nicht ernst genommen werden, beschämt werden, das brave Kind sein müssen. Sie gründen eine Familie und schaffen es anfangs, sich den eigenen Kindern gegenüber anders zu verhalten, sich mehr zuzuwenden und wirklich zuzuhören. Mit zunehmendem Alter der Kinder ändert sich dies jedoch, besonders wenn Babys immer mehr zu kleinen Kindern mit eigenen Bedürfnissen werden und diese lautstark äußern. Dann erleben die Eltern, wie die Großeltern mit den Kindern Kontakt haben und vielleicht fallen dabei immer wieder Sätze wie: „Jetzt sei doch nicht so eine alte Heulsuse“ oder „Wie oft muss ich dir das noch sagen, bis du es begreifst?“ Oder es wird auch nur ein deutliches „Nein, ich will das nicht!“ des Kindes bewusst und wiederholt übergangen. 

Diese noch harmlos klingenden Sätze können bei den Eltern unvorhergesehene Reaktionen auslösen, bei denen diese sich selbst nicht wiedererkennen. 

Eltern sind ratlos, weshalb sie als vermeintlich unbeteiligte Zuschauer der Situation so heftig reagieren. Plötzlich hören sie sich – als erwachsene Menschen – laut werden, aufbrausen, meckern, weinen oder sonstige „auffällige” Reaktionen zeigen – ähnlich denen ihrer kleinen Kinder. In der Folge kommt es zum Streit mit den Großeltern und manchmal auch zum Kontaktabbruch: Die Eltern wollen nun unter keinen Umständen mehr, dass die Enkelkinder zu den Großeltern gehen.

Was ist hier passiert?

Es könnte sein, dass die jungen Eltern unter einem so genannten Entwicklungstrauma leiden. Dies entsteht, im Gegensatz zu dem eher bekannten Schocktrauma, nicht durch ein singuläres Ereignis, sondern im Verlauf der Biografie, wenn Kinder sich zu wenig gesehen fühlen, ihre Grenzen wiederholt überschritten werden, sie schreien gelassen werden oder es Bindungsunterbrechungen gibt, wie zum Beispiel längere Krankenhausaufenthalte (vgl. Dami Charf, www.traumaheilung.de/entwicklungstrauma)

Was also geschehen ist: Durch den Umgang der Großeltern mit den Enkelkindern werden die jetzigen Eltern mit Situationen konfrontiert, die bei ihnen tief vergrabene und schmerzhafte Erinnerungen an ihre eigene Kindheit hervorrufen. Und ebendiese Erinnerung löst bei ihnen Gefühle aus, die sie in frühester Kindheit abgespeichert, jedoch nicht integriert haben – und unter denen sie bis ins Erwachsenenalter leiden. 

Das bedeutet, dass sie als jetzige Eltern mit den Emotionen, die Eltern selbst als Kind erlebt haben, bis heute keinen konstruktiven Umgang gefunden haben. 

Sie kommen durch den Umgang der Großeltern mit den Enkeln mit ihrem alten Schmerz in Kontakt, der in ihnen allzu vertraut und damit immer noch in ihnen lebendig ist und der sie – auch heute als erwachsene Menschen – immer noch hilflos macht. Mit anderen Worten: Bei den Eltern wird das Innere Kind aktiviert. Das Innere Kind gehört zu einer modellhaften Betrachtungsweise innerer Erlebnisweltern, die durch Bücher von John Bradshaw sowie Erika Chopich und Margaret Paul bekannt wurden. Es bezeichnet und symbolisiert die im Gehirn gespeicherten Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus der eigenen Kindheit. Hierzu gehört das ganze Spektrum intensiver Gefühle wie unbändige Freude, abgrundtiefer Schmerz, Glück und Traurigkeit, Intuition, Neugierde und GEfühle von Verlassenheit, Angst oder Wut (vergl. https://de.wikipedia.org/wiki/Inneres_Kind).

Eine häufige Reaktion besteht nun darin, dass Eltern, ohne sich dieses Musters gewahr zu werden, die eigenen Kinder intuitiv vor diesem wiederbelebten Schmerz bewahren möchten – notfalls durch den Kontaktabbruch zu den Großeltern.

Wenn Eltern jetzt aber den Kontakt zwischen Großeltern und Enkeln verbieten, schaffen sie in der besten Absicht, ihre Kinder zu schützen, einen neuen Schmerz, nämlich den zwischen Großeltern und Enkelkindern. Sie legen damit unbeabsichtigt den Grundstein für neue belastete Beziehungserfahrungen. Das Entwicklungstrauma der Eltern wird also ungewollt weitergereicht an die eigenen Kinder und an die Großeltern und kann von dort, wenn es keine Intervention von außen gibt, an weitere Generationen übertragen werden. Wir nennen dies das transgenerationale Trauma-Dreieck zwischen Großeltern – Eltern – Kind, bei dem ein Schmerz wie in einem Perpetuum Mobile von den Eltern über die Kinder an die Großeltern weitergereicht wird. Und die Vermutung liegt nahe, dass bereits die Großeltern in ihrer Kindheit Teil eines solchen Trauma-Dreiecks waren. Das heißt, dass schon während ihrer Kindheit schlechte Gefühle weitergereicht statt bearbeitet zu werden. Trotz der guten Absicht der Eltern, die eigenen Kinder vor dem Schmerz aus der eigenen Kindheit zu schützen, findet nun wieder eine ungewollte Verschiebung des Traumas statt.

Wie führt der Weg hinaus aus dem Dreieck?

Der blinde Fleck in der Familienmediation ist meist das Innere Kind des Elternteils, das den Kontakt mit den Großeltern abbricht. Also die innere, unverarbeitete Erlebniswelt dieser Eltern, die heute noch immer in ihnen wirksam ist. Wen wir als Mediatoren in der Konstellation also leicht übersehen können, ist das Innere Kind, das immer noch leidet, sich noch immer unverstanden, ungeliebt und nicht respektiert fühlt. Dieses Innere Kind hätte damals Empathie von seinen Eltern gebraucht und braucht, da es sie nicht bekommen hat, jetzt die Aufmerksamkeit und Sorge von uns Mediatoren. Eine mögliche Erkenntnis einer Familienmediation kann demnach darin liegen, dass eines der Inneren Kinder der Familienmitglieder (sowohl das Innere Kind der Eltern als auch das der Großeltern) bis heute nicht gut versorgt ist. Hier liegt in besonders schmerzhaften Fällen meist zusätzlicher Therapiebedarf vor. Die Aufgabe von uns Mediatoren ist es, aus dem Trauma-Dreieck hinausführen, indem wir die Entflechtung zwischen den realen Personen und den Inneren Kindern für unsere Medianden offenlegen und diese möglichst transparent machen.

Wie erkenne ich, ob mein Inneres Kind Fürsorge braucht?

  • Ich habe das Gefühl, es gibt unerledigte Themen mit meinen Eltern
  • Ich habe den Eindruck, dass meine Eltern falsch mit meinen Kindern umgehen
  • Ich habe fruchtlose Diskussionen mit meinen Eltern über Umgangsregeln (Süßigkeiten, Ins Bett-Geh-Zeiten, Umgang mit Wutausbrüchen etc.)

Als Mediatoren sind wir ständig damit befasst, zwischen verschiedenen Welten zu vermitteln und zu übersetzen. In diesem Fall sollte uns bewusst sein, dass wir nicht nur im Hier und Jetzt mediieren, sondern sozusagen über die Zeit hinweg vermitteln. Daher lohnt sich für uns stets die Frage: 

Sprechen wir gerade über die Bedürfnisse der etwa 40-jährigen Eltern oder spricht da das innere Kind dieses Elternteils, das sich gerade in einem emotionalem Erleben der eigenen Kindheit befindet?

Wenn es in einer Mediation zu einem Verständnis des Trauma-Dreiecks und der Interdependenz zwischen den verschiedenen emotionalen und zeitlichen Ebenen gekommen ist und es darüber hinaus möglich ist, sich im geschützten und moderierten Rahmen über diese alten Verletzungen auszutauschen, Verständnis zu bekommen, Vergebung zu gewähren und Versöhnung zu erfahren, dann kann die aktuelle Beziehung von Eltern, Großeltern und Enkeln aus alten Mustern befreit und wieder neu gelebt und gestaltet werden – und die Empathie mit den eigenen Kindern findet wieder im Hier und Jetzt und ohne alten Ballast statt.

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Meine erste Online-Mediation: Hilfe, wie mache ich das nur?

Die gute Nachricht vorweg: Das, was für das Gelingen einer Online-Mediation wichtig ist, kannst du schon: Zuhören, spiegeln und den Prozess steuern. 

Deshalb möchten wir euch ermutigen, die Online-Mediation anzugehen und versuchen, euch durch Hinweise zur technischen Vorbereitung und handwerklichen Umsetzung im virtuellen Raum die Angst vor der Online-Mediation zu nehmen.

Vielleicht stellst du dir folgende Fragen:

  • Was sollte ich bedenken, wenn ich erstmals eine Online-Mediation durchführe?
  • Was sind Vor- und Nachteile im Vergleich zu einer Mediation in Präsenz?
  • Auf welche technischen Voraussetzungen sollte ich achten?

Das Wichtigste ist: Mediation lebt und gelingt dann, wenn ihr eine vertrauensvolle Beziehung zu euren Medianden aufbaut. Das gilt umso mehr für den virtuellen Raum. Gestaltet hier – noch mehr als ihr das sonst tut – eine vertrauensvolle Beziehung zu euren Mediand:innen. Dies gelingt, indem ihr einige (technische) Vorsorgemaßnahmen für die Online-Mediation trefft.

Was heißt das genau?

Nehmt eure Medianden mit ins Boot. Erklärt ihnen vorher, wo die Fallstricke bei der Technik liegen könnten und was der Plan-B ist, wenn wirklich Schwierigkeiten auftreten. Das könnte ihr per Mail mit einer kurzen Checkliste für eure Medianden tun, über ein vorheriges Telefonat oder ihr vereinbart einen Tag vor der eigentlichen Mediation einen kurzen Technikcheck auf dem Videokonferenztool eurer Wahl.

Was auch immer ihr tut: Alles, was das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen erhöht, ist hier gefragt. Ihr ersetzt das Kennenlernen und den Smalltalk im Flur, der normalerweise bei der ersten Begegnung in Präsenz gerne ein wenig Zeit in Anspruch nehmen darf, durch eine sorgfältige Vorbereitung. Dies gilt für das Vertrauen in die Technik – und damit für das Vertrauen in euch als professionelle Mediator:in.

Denn: Die Medianden genießen die Gewissheit, dass ihr etwaige Pannen im Vorfeld gut mitgedacht habt (= „Ah, eine erfahrene Mediator:in…“) und sie sind in der Regel dankbar, wenn ihr in eurer professionellen Rolle ansprechbar und zugewandt für „Nebenthemen“ bleibt. Wenn ihr ihnen also bereits vor der Mediation auf der Beziehungsebene eine Arbeitsprobe von euch gebt, indem ihr ein offenes Ohr für die Sorgen und möglichen Bedenken habt, die sie als Medianden in Bezug auf eine Online-Mediation (noch) hegen.

OK, und wie sieht das jetzt in der Praxis aus?

Dies sind die technischen Voraussetzungen, für die du deine Medianden im Vorfeld der Mediation besonders sensibilisieren kannst:

  • Haben Sie für die Mediation eine stabile Internetverbindung?
  • Sind Sie während der Mediation in einem ungestörten Raum (ohne Anrufe etc.)?
  • Die Sitzung gelingt besser, wenn Sie mit einem Laptop statt mit einem Smartphone an der Mediation teilnehmen
  • Hier ist unsere Notfall-Telefonnummer (für etwaige technische Hilfestellung zu Beginn der Sitzung beim Einwählen)
  • Hier ist der Weg, um sich telefonisch in die Konferenz einzuwählen (falls Ihre Verbindung abbrechen sollte…)
  • Einschub: Eine (komplizierte) technische Einwahl lässt sich gut mit dem Tool “Loom” erklären, mit dem ihr als Mediator:innen einen Screencast macht, mit dem ihr also euren Bildschirm filmen und eure Erläuterungen zusätzlich als Audio aufnehmen könnt
  • Sie werden in der Sitzung viel zuhören und zu einigen Punkten direkt etwas erwidern wollen. Gleichzeitig geht es darum, dass Sie sich gegenseitig ausreden lassen. Legen Sie sich daher gerne einen Notizblock neben den Rechner und notieren Sie, was Ihnen beim Zuhören durch den Kopf geht
  • Ich dokumentiere die Sitzung mit Tool XYZ (zum Beispiel auf einem Whiteboard, Google-Jamboard oder mit Flinga)
  • Nach der Sitzung sende ich Ihnen eine Mail mit den (Zwischen-)ergebnissen per Mail zu
  • Eine dreistündige Online-Mediation erfordert eine hohe Konzentration. Ich werde daher x Pausen à x Minuten einbauen. Passt das für Sie oder spricht aus Ihrer Sicht etwas dagegen?
  • Thema Datenschutz: Haben Sie sich dazu bereits Gedanken gemacht?
  • Wenn zur Diskussion steht, ob Präsenz-Mediation mit Schnelltest oder Online-Mediation: Sensibilisiere deine Medianden dafür, dass bei einer weiten Anreise und einem positiven Test vor Ort ggf. eine Online-Mediation das Aufwand-Nutzen-Verhältnis besser berücksichtigt

Das notwendige Maß der Absprache variiert natürlich je nach Vorerfahrung der Medianden. Auch da ist dein Fingerspitzengefühl als Mediator:in gefragt. 

Soweit zur Vorbereitung. Und jetzt nochmal zu den guten Nachrichten (die wiederholen wir so gerne): Die weitere erfolgreiche Durchführung deiner Online-Mediation ist unserer Erfahrung nach – genau wie in der Präsenz – sehr stark abhängig von deinen professionellen mediatorischen Fähigkeiten als empathische und strukturierende Prozessbegleiter:in und (weitestgehend) unabhängig davon, welche Technik du im Einzelfall benutzt. Hauptsache, du kannst sie im Schlaf bedienen.

Deshalb: Nur Mut!

Und zum Abschluss noch eine kurze Übersicht unserer bisherigen Erfahrungen zu Vor- und Nachteilen von Online-Mediationen.

Vorteile von Online-Mediationen:

  • Reise- und Übernachtungskosten entfallen
  • Mediationstermine finden meist regelmäßiger statt, weil weniger Reisezeit etc. anfällt
  • Infektionsrisiken entfallen
  • Vereinbarkeit von Mediation und Familienleben mit (kleinen) Kindern
  • Die physische Nicht-Präsenz kann den Konfliktparteien in hoch eskalierten Konflikten einige Trigger-Momente ersparen

Mögliche Nachteile:

  • Je nach Alter und Einstellung der Medianden stellt die Teilnahme an einer Videokonferenz eine große (unüberwindbare) Hürde dar
  • Die berührende Lösungsenergie, die für alle im Raum körperlich spürbar wird, verweht im virtuellen Raum mitunter

Wie sind deine Erfahrungen mit Online-Mediationen? Wie siehst du die Zukunft der Mediation, wird Online-Mediation dauerhaft bleiben oder gibt es bald eine Renaissance der Präsenz-Mediation?

Wir freuen uns über dein Feedback. 

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Unsere 5 größten Fehler beim Marketing als Mediator:innen…

Und was du daraus lernen kannst....

Neulich haben wir unsere alten Unterlagen aufgeräumt und sind über unsere Ziele für das Jahr 2018 gestolpert. Dabei haben wir ganz schön gestaunt. Es war irgendwie wie eine lustige Zeitreise, weil uns dabei aufgefallen ist, wie viel sich seitdem bei uns verändert hat. Denn wenn man drinsteckt, in dieser berühmten Lernkurve, dann erkennen wir das ja gar nicht, dass wir uns gerade verändern… Kommt dir das bekannt vor?

Und ganz besonders haben wir gestaunt, weil ja inzwischen eine Pandemie nicht nur unser, sondern unser aller Geschäft grundlegend verändert hat. Wir haben das zum Anlass genommen und erinnern uns also heute noch weiter zurück  nämlich an unsere allerersten Anfänge als Mediator:innen und teilen heute mit dir, welche Fehler wir – aus unserer heutigen Sicht – damals ganz zu Beginn unserer Selbständigkeit gemacht haben in unserem eigenen ‚Marketing für Mediator:innen‘. Fehler sind was Schönes, findest du nicht auch? Denn du weißt ja, Fehler kommt nicht von ‚falsch‘, sondern von ‚fehlen‘. In diesem Sinne möchten wir mit dir teilen, woran es bei uns anfangs gemangelt hat. Das waren ganz unterschiedliche Dinge, doch lies am besten selbst, welches unsere fünf größten Fehler bei unseren eigenen Marketingaktivitäten waren.

1. Wahlloses Anzeigen-Schalten auf Google - wird schon was bringen?

Rüdiger hatte eine Phase, da wollte er gerne bekannt werden. Er hatte seine Geschäft gerade erst gestartet und war noch nicht so bekannt. Sein Ziel: Er wollte, dass seine Webseite sichtbar wird und wusste auch, wie er das hinkriegt. So zumindest dachte er. Was hat er gemacht? Viel Geld in die Hand genommen und wahllos in Google-Ads investiert, die auf den Internetauftritt von RheinMediation gelenkt haben. Hat es ihm was gebracht? Nein, denn er hatte keine konkrete Vorstellung von seiner Zielgruppe und deswegen keine Ahnung, was diese sich von Mediation in konkreten Worten versprechen würde. ‚Die Seite irgendwie bekannt machen‘ war jedenfalls einen winzigen Hauch zu unkonkret.

2. Wahlloses Anbieten von Mediation ohne Positionierung

Womit wir schon beim zweiten Fehler angekommen sind. Wir waren der Überzeugung, Mediation ist doch für alle Menschen gut, davon profitiert doch nun wirklich jeder und jede Einzelne.

Also sprechen wir einfach alle an! Leider ist es so: Wenn wir zu allen sprechen wollen, sprechen wir zu niemandem im Speziellen, es hört uns also keiner zu. Warum erreichen wir damit nur sehr wenige Medianden? Weil wir versuchen, jede Eventualität zu erfassen und das führt zu sehr abstrakten Formulierungen. Was soll dabei anderes herauskommen als Allgemeinplätze?

3. Damit hängt auch der dritte Fehler zusammen: Wir haben zu selten ‚Nein‘ gesagt.

Da ja Mediation irgendwie jeder gebrauchen kann, haben wir zu häufig Anfragen angenommen, die nicht bei drei auf dem Baum war. Ehrlich gesagt, haben wir sogar die Bäume solange geschüttelt, bis wir auch diejenigen mediieren konnten, die eigentlich noch gar nicht reif für den Prozess waren. Was war daran schwierig? Das war zum einen nicht redlich, zum anderen ist eine Mediation voraussetzungsreich: Es braucht nicht nur motivierte und kompetente Mediator:innen, sondern auch Medianden, die spüren oder wissen, dass sich nicht nur die Lösungsideen, sondern auch ihr Lösungsweg ändern muss. Ob dieses Bewusstsein zumindest in Ansätzen vorhanden ist - dies gilt es im Vorgespräch herauszufinden.

4. Wir haben unseren Medianden nicht zugehört.

Keine Angst, ich meine nicht, dass wir während der Mediation nicht richtig hingehört hätten. Sondern im Vorfeld: Welche Nöte plagen Menschen, bevor sie die nicht ganz so leichte Entscheidung treffen, die Probleme, die sie miteinander haben, vor wildfremden Menschen auszubreiten? Was genau erhoffen sie sich von der Mediation und was von uns Mediatoren? Ich glaube, damals waren wir zu viel in das Format ‚Mediation‘ verliebt, wo wir lieber in unsere Medianden verliebt hätten sein sollen. In dem Sinne, dass wir nicht sie versuchen, von Mediation zu überzeugen, sondern sie sich von uns verstanden fühlen und darum überzeugt sind, dass wir die Richtigen sind, um ihnen zu helfen.

5. Wir haben uns nicht helfen lassen

Eine Mediationsausbildung ist teuer. Richtig teuer. So dachten wir damals. Und als wir das ganze Geld ausgegeben hatten, haben wir uns gesagt: So, das muss nun reichen! Was wir damals noch nicht verstanden haben waren die Parallelen zum Hausbau: Eine Mediationsausbildungs ist das Fundament, ohne das alles Nichts wäre. Ein bewohnbares Haus braucht aber mehr als ein Fundament und wird Etage für Etage gebaut. Damit, dass wir nun mediieren konnten, haben wir zwar das Fundament für unsere Selbständigkeit als Mediator:in gelegt. Aber weder sind direkt nach der Ausbildung die Wände gebaut, noch liegt das Dach obenauf, von der Einrichtung ganz zu schweigen.

Und nun stell dir vor, dir würde der Häuslebauer von nebenan sagen: ‚Das Fundament war teuer genug, jetzt stell ich einfach einen Wohnwagen auf das teure Fundament, das wird schon reichen‘. Das würde bei den meisten Menschen Kopfschütteln auslösen, oder?

Wir brauchen also mehrere Elemente beim Hausbau, bevor wir einziehen und Gäste empfangen können. Und das kennt jeder Hausbesitzer aus leidvoller Erfahrung: Wenn man nicht jede Fliese selbst legen kann, muss man sich eben Hilfe holen. Man hat viele Ideen, wie das Haus von innen aussehen soll, und trotzdem brauchen die meisten Leute, die wir kennen, einen Innenarchitekten, der ihnen die schlimmsten Flausen austreibt. Man kann sich große Fenster mit Gartenblick aussuchen, meist brauchen wir aber Handwerker, die sie für uns einbauen. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen...

Sich rechtzeitig von Marketingberatern helfen zu lassen statt erfolglos Geld in fragwürdige Aktivitäten zu stecken, sich gerade am Anfang intensiv fachlich weiter zu bilden oder auch nur einen Steuerberater zu holen: All diese Dinge hätten unseren Start – im Rückblick betrachtet – weniger holprig gestaltet.

Heute sehen wir das so: Es gibt als Unternehmerin keine höhere Rendite zu erzielen, als in seine eigene Professionalisierung durch Weiterbildung zu investieren. Wissen, Können und Know-how sind für die Kunst der Mediation, aber auch für die anderen Aspekte der Unternehmensführung ein immens starker Hebel. Kein Investment, keine Anlageform kann sich mit dieser Rendite messen, die du so erzielen kannst.

Heute lassen wir uns helfen, und wir helfen selbst: Wir investieren jedes Jahr in mindestens eine große Weiterbildung, die unserer Professionalität zugute kommt. Und wir unterstützen Mediationskolleg:innen mit Coaching, Seminaren und unserem Mediations-Mentoring dabei, ihr eigenes Mediationsgeschäft an den Start und ans Laufen zu bringen. Das ist unser Dach, unter dem wir heute gerne arbeiten. Und als nächstes träumen wir von einer großen Dachterrasse… doch dazu mehr an einer anderen Stelle.

Und bei dir…?

Das waren sie also, unsere fünf Felder, die wir zu Beginn nicht bewässert haben. Diese Fehler vor dir so offen zu benennen, das fällt uns natürlich nicht ganz leicht. Gleichzeitig sind wir Mediator:innen und verbreiten die Idee einer Lernkultur statt einer Fehlerkultur. Deshalb lehnen wir uns damit heute aus dem Fenster, in der Hoffnung, dass dir das hilft. Was es uns leichter macht, mit unseren Fehlern zu leben, ist natürlich, wenn auch du uns darin unterstützt voneinander zu lernen. Deshalb möchten wir von dir gerne wissen: Welche Fehler hast du schon gemacht? Welche hast du auf dich zukommen sehen, aber gekonnt vermieden? Wenn ja, was hat dir geholfen, das schon im Vorfeld zu erkennen? Was möchtest du hier teilen?

Wir würden uns riesig freuen, wenn du einen Aspekt deines wertvollen Wissens hier weitergibst und freuen uns über deinen Kommentar!


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Konflikte zwischen Kindergartenkindern begleiten

Wie fördern Sie als Leitung einer Kindertagesstätte das "Streiten lernen" unter Kitakindern?

Connection before Correction. Marshall B. Rosenberg

Als Leiter:in einer Kindertageseinrichtung haben Sie neben vielem anderen die Aufgabe dafür zu sorgen, dass Kinder konstruktives Konfliktverhalten erleben. So lernen die Kinder die elementare Fähigkeit, Konflikte selbstständig zu lösen. Diese Fähigkeit bedeutet Entlastung für Sie als Leitung, aber auch für die gesamte Einrichtung.

Alltag Inder Kita: Paul und Marie spielen im Außenbereich der Kita. Paul sitzt mit einer Schaufel im Sandkasten und ist damit beschäftigt, eine Sandburg zu bauen. Nun sehen Sie aus der Ferne, wie Marie dazukommt. Sie hören nicht, was gesagt wird, aber Sie sehen, dass es zu einem Gerangel zwischen den beiden um die Schaufel kommt. Dabei ziehen beide Kinder fest an der Schaufel, Marie stolpert unglücklich und schlägt sich das Kinn auf. Sie fängt laut an zu weinen, woraufhin Paul einen Schreck bekommt und ebenfalls anfängt zu weinen…

Konflikte gehören zum Kita-Alltag ebenso wie das gemeinsame Mittagessen oder die Vorlesezeit. Sie erfüllen eine wichtige Funktion, um soziales Verhalten zu erlernen. 

Nur im Konflikt lernen Kinder etwas über ihre eigenen Bedürfnisse und die ihres Gegenübers. 

Dennoch werden immer wiederkehrende und ungelöste Konflikte von allen Beteiligten als belastend empfunden. Entscheidend ist daher nicht die Frage, wie sich Konflikte in der Kita vermeiden lassen. Interessant ist vielmehr, ob es in der Einrichtung gelingt, Konflikte unter Kindern konstruktiv zu klären. Interessant für alle Beteiligten in Kitas sind daher folgenden Fragen:

  • Wie und warum entstehen Konflikte?
  • Was sind die Gründe für eine Eskalation und wie gelingt die Deeskalation?
  • Wie können pädagogische Fachkräfte den Konflikt gemeinsam mit den Kindern konstruktiv bearbeiten?
  • Wie können Sie als Einrichtungsleitung dem Team den Weg zu einem konstruktiven Konfliktumgang ebnen?

Konflikte entstehen immer dann, wenn Menschen unterschiedliche Bedürfnisse haben (dies ist im Alltag häufig der Fall und nicht weiter ungewöhnlich) und wenn es den Konfliktbeteiligten nicht gelingt, über diese unterschiedlichen Bedürfnisse konstruktiv zu verhandeln[1]. Was heißt das in Bezug auf Paul und Marie? Paul und Marie möchten unterschiedliche Dinge, sie haben unterschiedliche Bedürfnisse. Es gelingt ihnen aufgrund ihres Alters und ihrer begrenzten Lebenserfahrung jedoch nicht, darüber zu „verhandeln” und alternative Strategien zu finden, die für beide passen. Stattdessen wählen sie die für sie erfolgversprechendste Strategie (Schaufel wegnehmen) und es kommt zum Streit. Nun sind die pädagogischen Fachkräfte gefragt, gemeinsam mit den Kindern einen guten Umgang mit dem Konflikt zu finden. Dabei gibt es im Wesentlichen zwei denkbare Varianten: es könnte im weiteren Verlauf nun entweder zu einer Eskalation oder zu einer Deeskalation kommen.

Anhand der Ergebnisse aus der Friedens- und Konfliktforschung ist bekannt, dass der wesentliche Unterschied für einen eskalierenden oder deeskalierenden Konfliktverlauf darin besteht, ob der begleitenden Person eine zugewandte Haltung zu den Konfliktbeteiligten gelingt. Diese Haltung spiegelt sich, neben anderen Ansätzen, in der Aussage von Marshall B. Rosenberg wider, dem Begründer der Gewaltfreien Kommunikation:

Connection before Correction. Der Satz besagt, dass nicht eine Technik oder Methode, sondern in allererster Linie unsere zugewandte Haltung eine positive Auswirkung auf den Konflikt hat. 

Gelingt es uns, für die Konfliktklärung einen ruhigen und geschützten Raum zu schaffen und den Kindern zuzuhören, sie also zunächst verstehen zu wollen, dann steigen die Chancen, dass diese Kinder sich beruhigen, sich verstanden fühlen und in einem zweiten Schritt bereit sind, ihr Verhalten zu verändern. Connection before Correction bedeutet, dass alle Menschen und besonders Kinder in für sie stressigen Situationen zunächst Verständnis und einen guten Kontakt zum Gegenüber brauchen (Connection), bevor sie bereit sind, Lösungen, Ratschläge oder Verhaltenskorrekturen (Correction) anzunehmen.

Was im Alltag jedoch häufig geschieht, ist, dass Erwachsene schnell mit Regeln, Ratschlägen oder Lösungen zur Hand sind. 

Als erste Reaktion auf ein Gerangel um die Schaufel zwischen Paul und Marie fallen dann Sätze wie: „Marie, das ist nicht in Ordnung, Paul die Schaufel wegzunehmen” oder „Paul, lass doch Marie mitspielen” oder „Marie, nimm doch die andere Schaufel, die daneben liegt”. Bei näherer Betrachtung sind jedoch kaum Situationen bekannt, in denen Paul oder Marie auf derartige Sätze jemals kooperativ geschweige denn konstruktiv reagiert hätten. Oft reagieren Kinder auf derartige „Lösungen” zwar mit Gehorsam, erlernen jedoch nicht, Konflikte selbständig zu lösen. Oder sie zeigen auf das Gesagte deutlichen Widerstand. Woraufhin sie in der Regel ein weiteres Mal zurechtgewiesen werden…. Alltäglich ist also eher das Prinzip Correction before Connection.

Was sind demnach Gründe für eine Eskalation?

  • Die Situation wird nicht ernst genommen und ihr wird kein Raum eingeräumt
  • Der Streit wird nicht bearbeitet, sondern negiert („da war gar nichts zwischen den beiden”), bagatellisiert („das war halb so wild”) oder ignoriert (Wegschauen und die Kinder im Konflikt sich selbst überlassen)
  • Die beteiligten Erwachsenen haben nicht sofort eine Lösung zur Hand und das löst bei ihnen unangenehme Gefühle aus (Überforderung etc.)
  • Sie geben eine Regel oder eine Lösung vor. Die Kinder sind jedoch nicht offen, diese anzunehmen, da sie in ihren Gefühlen und Bedürfnissen noch nicht gehört und gesehen wurden

Wie gelingt nun der Weg der Deeskalation?

  • Konflikte werden in der Kita als „normal“ betrachtet
  • Konflikten wird im wahrsten Sinne des Wortes Raum gegeben und sie werden an einem ruhigen Ort aktiv und gelassen angesprochen
  • Sie erforschen als Leitung gemeinsam mit Fachkräften und Kindern, neugierig wie Detektive, die Konfliktursachen
  • Sie führen mit einer allparteilichen Haltung und einer klaren Struktur (Vier Schritte) durch das Gespräch und ermöglichen damit gegenseitiges Verständnis unter den Kindern
  • Die Kinder werden zuerst in ihren Gefühlen und Bedürfnissen gehört und gesehen, anschließend suchen sie selbst und ggf. mit Ihrer Hilfe als Leitung eine Lösung, die für beide in Ordnung ist

Was sind nun, neben einer wertschätzenden Haltung, weitere Gelingensbedingungen für eine Begleitung von Kindern im Konflikt und wie können Teams diese Bedingungen entwickeln?

Für das Setting der Kindertageseinrichtungen wurde der Fokus auf drei Aspekte gelegt: auf der Beziehungsebene zwischen pädagogischer Fachkraft und Kindern sind dies die Ansätze der Allparteilichkeit und der Eigenverantwortung aus der Mediation. Der dritte Aspekt besteht im strukturellen Rahmen zur Unterstützung einer verbindenden Kommunikation: die „Vier Schritte” der Gewaltfreien Kommunikation.

Das Prinzip der Allparteilichkeit und der Eigenverantwortung

Allparteilichkeit in der Begleitung von Konflikten bedeutet, dass sich die pädagogischen Fachkräfte nicht mit der Frage beschäftigen, wer von beiden Kindern angefangen hat oder wer die Schuld am Konflikt trägt. Diese Fragen führen im Ergebnis lediglich zu weiteren Folgekonflikten. Es bedeutet auch nicht, dass sie neutral gegenüber den Kindern sind. Dies würde bedeuten, sich gar nicht in den Konflikt einzumischen. Vielmehr geht es bei der Allparteilichkeit darum, dass sie beide Kinder gleichermaßen darin unterstützen, den Konflikt zu klären. Dieses Rollenverständnis beinhaltet, dass die Fachkräfte dafür zuständig sind, durch den Gesprächsprozess zu führen, sich jedoch inhaltlich auf keine der beiden Seiten zu stellen, sondern beiden Kindern zugewandt zu bleiben.

Sie verzichten auf Schuldzuweisungen, Ratschläge, Regeln oder Lösungen, sondern helfen beiden Kindern, ihren Streit zu verstehen und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Dies wiederum fördert das Prinzip der Eigenverantwortung. In der Mediation liegt die Annahme zugrunde, dass jeder Mensch die Lösung für seinen Konflikt bereits kennt, bisweilen jedoch Unterstützung bei der Lösungssuche benötigt.

Dies gilt eben auch für Kindergartenkinder, die zahlreiche Ideen zur Lösung ihrer Konflikte haben, jedoch Unterstützung bei der Struktur und der Gesprächsführung, also einen sicheren Rahmen benötigen.

Eigenverantwortung der Kinder bedeutet, dass die Fachkräfte die Kinder in den Prozess einbeziehen. Sie erforschen gemeinsam mit ihnen wie Detektive, warum es zum Konflikt kam und was für Ideen sie zur Lösung haben. Kinder, die in der Kita erleben, dass sie selbst einen Konflikt klären können, erfahren Selbstwirksamkeit. Sie wachsen über sich hinaus und entwickeln neben einem gesunden Selbstbewusstsein ein Gespür dafür, wie sie ihr soziales Miteinander gestalten können. Dies unterscheidet sie von Kindern, die häufig korrigiert oder unter Druck gesetzt werden, sich bei ihrem Gegenüber zu entschuldigen. Bei ihnen bleibt auf der unbewussten emotionalen Ebene häufig das Gefühl zurück, falsch, ungenügend oder „schuld” zu sein.

Die Vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation

Für das Führen durch das Konfliktgespräch haben sich die Vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation als besonders hilfreich erwiesen. Sie unterstützen Sie dabei, in einer verbindenden statt in einer trennenden Weise mit den Kindern zu kommunizieren. Darüber hinaus bedeuten die Vier Schritte eine wichtige Struktur und Orientierung, sowohl für die Kinder als auch für die Rolle des Mediators. Zur Verdeutlichung von verbindender und trennender Kommunikation sind die Vier Schritte im Folgenden mit ihrer jeweiligen trennenden Entsprechung aufgeführt.

  1. Schritt: Beobachtung (statt Bewertung)
  2. Schritt: Gefühl (statt Gedanke)
  3. Schritt: Bedürfnis (statt Strategie)
  4. Schritt: Bitte (statt Forderung)

Mithilfe dieser vier Schritte gehen Sie nun gemeinsam mit den Kindern – erst mit dem einen, dann mit dem anderen Kind- den Konflikt durch.

Zur Unterstützung des Prozesses bieten sich die Symbolkarten aus dem Giraffentraum®[2] von Frank und Gundi Gaschler oder auch der von Tassilo Peters entwickelte Friedensstock an[3].

Beispielsweise könnte ein Teil des Dialogs mit den Kindern so verlaufen:

1. Beobachtung: „Marie, erzähl doch bitte, was passiert ist?“

2.: Gefühl: „Aha, und wie hast Du Dich da gefühlt?“ „…“ „Du wolltest gerne mitspielen und dann hast du gemerkt, dass Paul alleine spielen wollte und da bist du wütend geworden?”

3. Bedürfnis: „Wie hätte es sich denn angefühlt, wenn es gut gewesen wäre?“

4. Bitte: „Das heißt, Du würdest Dir wünschen, dass Paul Dich häufiger fragt, ob Du mitspielen magst?“

In unserem Beispiel hatte Marie ein Bedürfnis nach Kontakt hatte und wollte mitspielen, für Paul dagegen war es am schlimmsten, dass sein Bedürfnis nach Autonomie unerfüllt war.

In der Praxis zeigt sich, dass der vierte Schritt bei Kindergartenkindern häufig nicht notwendig ist. Oftmals empfinden Kinder den Streit als geklärt, sobald sich beide vollständig verstanden fühlen und gehört wurden. Dies ändert sich mit zunehmendem Alter der Kinder. Ältere Kinder benötigen für die Lösungen mehr Zeit und wollen diese differenzierter verhandeln.

Im Fall von Paul und Marie stellt eine der Grundannahmen der Gewaltfreien Kommunikation den Schlüssel zum Verständnis von Konflikten dar: 

„Was auch immer wir tun, es ist das Schönste und Beste was uns im Moment zur Verfügung steht, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen (M. B. Rosenberg)".

In einer allparteilichen und zugewandten Haltung gehen wir davon aus, dass Kinder sich mit allem, was sie tun, ihre Bedürfnisse erfüllen möchten. Hierfür wählen sie jedoch häufig Strategien, die, wenngleich sehr effizient, sozial nicht gut funktionieren. Dies lässt sich im Konfliktgespräch verändern. Die Chancen in diesem Konflikt sind also vielfältig für alle Beteiligten. Marie kann ausprobieren, mit einer neuen Strategie für ihre Bedürfnisse einzutreten und gemeinsam mit Paul austesten, ob das Spielen besser funktioniert, wenn sie Paul vorher nach der Schaufel fragt. Paul kann ebenfalls lernen, für sein Bedürfnis nach Autonomie einzustehen. “Ich möchte, dass du mich fragst”. Beide Kinder lernen, sich aktiv zuzuhören und zu erkennen, worum es dem Anderen geht, also Empathie für ihr Gegenüber zu entwickeln.

Das gesamte Team erfährt Entlastung, wenn Kinder und Erwachsene im Laufe der Zeit immer selbständiger in der Lage sind, die „Vier Schritte“ ohne Hilfe durchzugehen und selbständig Lösungen zu finden.

Zu Beginn wird den pädagogischen Fachkräften in der Einrichtung der Ablauf vielleicht recht ausführlich erscheinen, nach einiger Übung verselbständigt sich der Prozess jedoch schnell und geht in „Fleisch und Blut“ über. Nicht oft genug kann betont werden, dass die Zeit, die in die Konfliktklärung investiert wird, sich in mehrfacher Hinsicht auszahlt. Je mehr Übung alle Beteiligten in der Konfliktklärung haben, desto leichter wird der Alltag in der Einrichtung.

Als Einstieg in das Thema Konfliktklärung und Gewaltfreie Kommunikation empfiehlt es sich, einen oder mehrere pädagogische Fortbildungstage auf das Thema "Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation in Kindertagesstätten" zu verwenden. (Für ein kostenfreies Vorgespräch bitte Kontakt mit Imke Trainer aufnehmen) 

Fazit: Konflikte sind soziale Lernfelder. 

Nur von zugewandten Erwachsenen lernen Kinder, im Konflikt wertschätzend miteinander umzugehen. Damit pädagogische Fachkräfte die Konflikte von Kindern ressourcenorientiert betrachten, kann es hilfreich sein, das eigene Konfliktverhalten in Fortbildungen und Seminaren gesondert zu reflektieren und zu verändern. Oft ist das der Beginn einer wundervollen Lernpartnerschaft zwischen Erwachsenen und Kindern.

Dieser Artikel erschien in der KiTa aktuell spezial, Themenheft Konfliktmanagement, Juni 2020, und richtet sich vorrangig an Leitungen von Kindertagesstätten


[1] Vergl. Harald Pühl: Das konstruktive Gespräch.

[2] https://giraffentraum.de/wp/giraffentraum/

[3] https://tassilopeters.com/friedensstock/

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Mediation ist nicht für alle gut!

Warum wir überzeugt sind, dass einer deiner größten Erfolgsfaktoren als Mediator:in darin besteht, deine Positionierung zu finden

In unseren Zoominaren ‚Marketing für Mediatoren‘ gibt es immer einen Punkt, der unseren Teilnehmenden Schmerzen bereitet.

Der richtig doof ist, der weh tut….den wir alle nicht gerne hören und am liebsten nicht wahrhaben wollen.

Hättest du nicht gedacht? Ist aber so und wir möchten dir heute erzählen, warum das so ist.

In unseren Zoominaren geht es um das böse P-Wort. Schon mal gehört? P wie Positionierung. In einem Satz beschreibt P, dass unser Angebot nicht für alle da ist, sondern nur für eine abgegrenzte Gruppe von potentiellen und genau zu uns passenden Medianden. Und die Reaktion ist meist ein leicht ungläubiges Staunen. Positionierung in der Mediation, im Ernst?

Hä, *kopfschüttel* wieso sollte ich mich denn ausgerechnet beim Thema Mediation positionieren, damit verenge ich doch die Zahl derer, denen ich mit Mediation super weiterhelfen kann? Und das weiß doch wirklich jeder, spätestens seit der Mediationsausbildung:

Wenn es ein Thema gibt, dass jetzt wirklich mal für alle gut ist, dann doch Mediation, oder etwa nicht?

Mensch, während meiner Mediationsausbildung sind mir doch jeden Tag - und ich meine wörtlich jeden Tag – so viele Leute begegnet, die eine Mediation gebraucht hätten… auf meiner Arbeit, danach in der Bahn oder als Autofahrer:in/Fahrradfahrer:in und dann nochmal kurz im Treppenhaus mit den Nachbarn. Von meiner eigenen Herkunftsfamilie will ich jetzt mal gar nicht erst anfangen. Ich meine: Besser kommunizieren, mehr zuhören, häufiger Nachfragen stellen statt Vorwürfe rauszuhauen – das tut uns doch wirklich allen gut, oder versteh ich jetzt nur noch Bahnhof? Es geht doch um eine allgemeine Verständigung – oder nicht?

Ja, geht es. Es geht um ein Format, das für alle gut ist. Einerseits.

Und gleichzeitig gibt es ein ‚Andererseits‘.

Jetzt bist du innerlich wahrscheinlich schon auf was Negatives eingestellt, hab ich recht? Dieser Gedanke: Oh nein, ich muss mich jetzt auch noch positionieren. Reicht es nicht, dass ich echt gut zuhören, spiegeln und strukturieren kann? Muss ich mich wirklich mit Marketing-Gedöns beschäftigen?

Naja, musst du nicht, aber darfst du.

Denn dieses ‚Andererseits‘ ist kein Nachteil, wie du vielleicht befürchtest, sondern ein großer Nutzen und ein richtiges Geschenk.

Wie wir das meinen?

Dazu möchte ich dir gerne die Geschichte von Nennen-wir-sie-Clara erzählen. Clara war Teilnehmer:in bei uns im Kurs ‚Marketing für Mediatoren‘ und hatte am Ende des Tages ein echtes Aha-Erlebnis.

O-Ton in der Abschlussrunde (denke dir eine strahlende Clara dazu):

„Ich weiß jetzt, dass ich politische Mediation machen möchte!“

Okay, schön und gut, denkst du jetzt, aber was hatte sie denn jetzt genau davon, dass sie politische Mediation machen wollte?

Nun ja. Einige Tage nach dem Seminar surfe ich auf LinkedIn und erhalte von einer ehemaligen Teilnehmerin unserer Mediationsausbildung, mittlerweile erfolgreich in Festanstellung, ein PDF mit einer interessanten Ausschreibung aus dem kommunalen Bereich: freiberufliche Konfliktberater wurden gesucht.

Nun hätte ich diese Ausschreibung auch einfach an die über 200 Teilnehmer:innen unserer Mediationsausbildung oder wahllos an alle Abonnent:innen unseres Newsletters weiterleiten können. Aber woher sollte ich wissen, dass sie genau das machen wollten oder sich genau dieses Thema der politischen Mediation überhaupt zutrauen würden? Dass ich sie nicht nerve mit meiner Post? Wie viel Aufwand wäre das gewesen, alle anzuschreiben und mit welchem Nutzen?

Die Annahme, dass ich möglichst viele Menschen erreiche, wenn ich meine Zielgruppe sehr groß mache, ist ein Trugschluss.

Die Wirkung kann auch verpuffen, und diese Ausschreibung wäre für die meisten Abonennt:innen nur bedingt interessant gewesen. Denn es geht nur bedingt um Quantität. In erster Linie geht es um Qualität und um die Frage: Wo gibt es zwei Seiten, die besonders gut zusammenpassen, also wo gibt es hier ein echtes und richtiges ‚Match‘?

Und genau das mit dem Match, das wusste ich nur von Clara. Nur bei ihr war ich sicher, wohin sie wollte mit Mediation. Und dass ich ihr sogar eine Freude damit mache, wenn ich die Ausschreibung schicke. Egal, ob sie den Job bekommen würde oder nicht. Es war einfach ihr Thema. Sie wird es zu schätzen wissen, und wenn sie es nicht selbst machen kann, dann ist sie bestimmt gut vernetzt und schickt es anderen Mediator:innen, die auch ‚politische Mediation‘ machen wollen. Da war ich sicher.

Und wenn du dich jetzt gerade fragst, warum ich die Stellenausschreibung nicht an dich weitergeleitet habe, du möchtest doch auch politische Mediation machen?

Nun ja, ein lohnenswerter Gedanke wäre, dass du dich nochmal fragst, ob du mir und damit uns allen da draußen bereits ausreichend gut und oft genug kommuniziert hast, was du un-be-dingt machen möchtest mit Mediation? Was dein Spezialthema ist? Denn wenn es bei mir noch nicht angekommen ist, wie soll es dann da draußen im world wide web jemand begreifen?

Weswegen es also so toll ist, sich mit dem Thema Positionierung zu befassen: Weil es dazu führt, dass Menschen auf dich zukommen, statt dass du ihnen hinterherläufst.

So wie ich auf Clara zugegangen bin. Weil es Klick-Momente gibt, wo einfach eins zum anderen passt. Wo es Win-win wird, weil Menschen zueinander finden, die sich gegenseitig gesucht haben.

Kurz: Weil es dir das Leben leichter macht!

Abgesehen von dir und deiner Leichtigkeit gibt es jedoch noch einen weiteren Grund, warum wir denken, dass sich alle Mediator:innen schärfer positionieren sollten. Dieser Grund ist weniger individuell, sondern bezieht sich eher auf den gesamtgesellschaftlichen Aspekt von Mediation. Beim Thema Positionierung in der Mediation geht es aus dieser zweiten Perspektive um die Ausdifferenzierung unseres Marktes.

Dazu stell dir einfach mal einen Hosenmarkt vor. Ja, es ist schön, wenn ich auf meinem Markt Hosen kaufen kann. Aber noch toller ist es, wenn ich auf meinem Markt nicht nur Hosen finde, sondern Jeans kaufen kann und dann noch solche Jeans, die besonders auf meine Bedürfnisse zugeschnitten sind. Was sind meine Bedürfnisse? Dass die Jeans gut aussieht, klar, aber dass sie vor allem lange hält und nicht kaputt geht. In meinem Fall also Jeans für Radfahrer:innen, die nicht so schnell kaputt gehen, wenn die Jeans mal am Sattel scheuert. Du verstehst, was ich meine? Es geht hier wieder mal darum, ganz genau auf die Bedürfnisse zu schauen, also wieder um einen Match. Ich könnte einfach nur das Wort ‚Hose‘ googlen, das werde ich aber nicht tun, sondern ‚Jeans für Radfahrer‘ eingeben. Und dann bin ich mir sicher, wird es Unternehmen geben, die mir genau das bieten, was ich suche. Weil der Markt ausdifferenziert ist. Und genau das wünschen wir uns auch für die Mediation. Und das bedeutet: Je bedürfnisorientierter wir uns als Mediator:innen aufstellen, desto mehr vergrößern wir alle unseren Markt.

Also das Paradoxon: Vergrößerung durch Verengung.

Hier sind zehn Beispiele von Positionierungen befreundeter Mediator:innen:

  • Mediation in der Assistenz
  • Mediation mit Gehörlosen
  • Politische Mediation
  • Mediation und soziale Gesundheit
  • Mediation in der Unternehmensnachfolge
  • Mediation mit Sehbehinderten
  • Kunst in der Mediation
  • Mediation für Steuerberater
  • Mediation zwischen Eltern und Jugendamt
  • Mediation für Angestellte statt für Führungskräfte

Und du? Möchtest du auch deine Positionierung finden, hast aber keine Lust, für dich alleine darüber nachzugrübeln? Hättest du dabei gerne unsere Unterstützung, unser Coaching und eine Spiegelung durch deine Peers? Austausch und Vernetzung mit gleichgesinnten Mediator:innen, die an einem ähnlichen Punkt sind und genau wie du gerade ihr Business aufbauen möchten?

Dann komm in unser nächstes Zoominar: Marketing für Mediatoren am 26.5.2021 von 10 bis 17 uhr auf Zoom. Zur Anmeldung geht's hier entlang ...

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Deine eine und ultimative Superkraft als Mediator:in

Wir als Mediator:innen fragen uns ja ständig und immer: Wie komme ich an meinen nächsten Fall? Und weißt du was: Wir haben die Lösung! 

Jaja, schon klar, wir Mediatoren geben ja eigentlich niemals (!) die Lösung vor, aber heute müssen wir von dieser Regel wirklich eine Ausnahme machen, es wäre andernfalls einfach zu ungerecht für dich.

Deshalb hier und heute die gute Nachricht:

Es gibt eine Kraft, die wir alle nutzen können, um an mehr Fälle zu kommen. Wenn du wissen möchtest, welche das ist, dann lies einfach weiter.

Und hier fängt die Geschichte von vorne an.

Neulich in der Mediationsausbildung hatte ich ein sehr interessantes Gespräch – in Präsenz! Allein das mit der Präsenz ist im Juni 2021 ja schon eine Meldung wert, aber noch viel aufschlussreicher war der Inhalt des Gesprächs, von dem ich dir heute berichten möchte.

In der Pause kam ein Teilnehmer auf mich zu, den ich an dieser Stelle aus praktischen Gründen Horst nennen werde, und wir unterhielten uns über seine Fortschritte in der Ausbildung und über seine Familie.

Zuerst ging es um die Ausbildung:

Gerade jetzt – Horst steht kurz vor Abschluss seiner Ausbildung – beschäftige ihn die immer wichtiger werdende Frage, wie um Himmels willen er jemals an seinen ersten Fall kommen solle? Das mache ihm schon ein wenig Sorge, ein Jahr nach der Ausbildung vergehe ja schneller als man sich versieht und wo soll dann der erste Fall herkommen…?

Und so weiter und so fort. Ich hörte Horst aufmerksam zu.

Dann sprach er über seine Familie:

Horst ist getrennt und hat zwei inzwischen erwachsene Kinder. Mit diesen tauscht er sich regelmäßig über das Thema Mediation und die Ausbildung aus, die ihn ja gerade so beschäftigt.

Und so erzählte Horst mir, dass er ein sehr unterschiedliches Verhältnis zu seinen beiden Kindern habe. Mit einem seiner beiden Kinder sei die Beziehung richtig gut. Dieses Kind arbeitet im sozialen Bereich und sei daher schon an allerlei mediatorische Grundhaltung und Methoden gewöhnt. Mit diesem Kind unterhält sich Horst regelmäßig, gerne und in entspannter Atmosphäre über die Mediation und alles, was dazu gehört.

Mit dem anderen Kind hingegen ist es viel schwieriger und komplizierter. Zum einen war das Verhältnis aufgrund verschiedener biografischer Gegebenheiten immer schon ein wenig belasteter, als mit dem ersten Kind. Zum anderen kommt erschwerend hinzu, dass dieses zweite Kind etwas weiter weg in einem Nachbarland lebt und seit Kurzem selbst Nachwuchs hat. Das erwachsene Kind von Horst hat also extrem wenig Zeit - und gleichzeitig ein ganz (!) großes Interesse an der Mediation, so versicherte mir Horst. Immer wieder befrage ihn dieses Kind, was er denn da so genau mache, in seiner Ausbildung. Und dann erzählt Horst seinem Kind von der Ausbildung, aber er verrät nichts von seiner geheimen Sehnsucht…

Was seine geheime Sehnsucht ist?

Das verrät er mir im nächsten Satz, indem er den einen und alles entscheidenden Satz sagt, bei dem mir endgültig ein Licht aufging:

Er sagte mir, dass er so gerne ein besseres Verhältnis zu diesem Kind hätte! Dass er sich sehnlichst wünscht, mal so richtig und in Ruhe mit dem Kind reden zu können, ohne Unterbrechungen und mit viel Muße. Dass er sich erhoffe, dem Kind eines Tages wieder näher zu kommen und eine größere gemeinsame Ebene zu schaffen, als Elternteil und als Kind. Dass er einfach gerne eine engere Beziehung zu diesem Kind hätte.

Ich hörte Horst nun SEHR aufmerksam zu und dann verknüpfte ich beide Teile dieses Gespräches, fasste mir ein Herz und fragte ihn:

„Sag mal Horst, hast du schon mal darüber nachgedacht, mit deinem Kind als Mediand:in an einer Online-Mediation teilzunehmen? Du hast ja gesagt, du sehnst dich sehr danach, ein paar alte Themen zu klären und mal so richtig und in Ruhe, ohne Unterbrechung mit deinem Kind zu sprechen, das weit entfernt von dir lebt?“

Stille. Er rückte ein Stück von mir ab und schaute verschlossen: alles an Horsts Körpersprache signalisierte Ablehnung.

Hier unterbreche ich die Erzählung und schaffe mal kurz Raum für meine eigene Begeisterung. Denn ich finde wirklich, dass das eine ganz exzellente Superkraft ist:

– Nimm nach der Ausbildung als Mediand:in selbst an einer Mediation teil –

Denn stell dir mal vor, wenn alle (angehenden) Mediator:innen direkt nach der Ausbildung einen eigenen Konflikt von eine:r Mediator:in bearbeiten ließen, wie viel mehr Mediator.innen hätten dann schon ihren ersten Fall?!

Genial, oder?

Ach, ich überschlage mich fast vor lauter Freude über diese vielen Ressourcen, die dir das beschert! Lass mich mal schnell nur die ersten zehn Vorteile dieser Aktion aufzählen, die mir spontan in den Sinn kommen...

10 Gründe dafür, in die Rolle der Medianden zu gehen

  • Indem du selbst Mediand:in wirst, trägst du konkret dazu bei, dass ein:e Kolleg:in ihren ersten Fall bekommt
  • Du trägst auf der übergeordneten Ebene dazu bei, dass ein Kulturwandel im Umgang mit Konflikten stattfindet
  • Du übernimmst Verantwortung für deine eigenen Konflikte
  • Was du dir von anderen wünschst, das setzt du selbst in die Praxis um. Practice what you preach.
  • Du erlebst einen Perspektivwechsel auf zahlreichen Ebenen, zum Beispiel:
  • Perspektivwechsel auf der persönlichen Ebene: Du verstehst deinen eigenen Konflikt
  • Perspektivwechsel auf der Beziehungsebene: So fühlen sich also meine Mediand:innen, wenn ich Mediator:in bin
  • Perspektivwechsel auf der fachlichen Ebene: Dieser Umgang, diese Methode, diese Haltung fühlt sich also gut/schlecht an in einer Mediation
  • Du hast Angst, als Mediator:in zu wenig Erfahrung zu haben? Hier sammelst du sie mit eigenen Haut und Haaren

Kurz: Nie wirst du stärker aus deiner Komfortzone heraustreten, als wenn du den sprichwörtlichen Stuhlwechsel selber vollziehst, denn das Erlebnis fördert die Verbindung zu deinen Mediand:innen immens, das wiederum stärkt die Qualität deiner Arbeit immens, und die Qualität deiner Arbeit fördert deine Buchungsrate immens. Wie heißt das Gegenteil eines Teufelskreises? Ein Engelskreis…

Außerdem günstig: Du kannst mit einer dir nicht oder nur wenig bekannten Kolleg:in vereinbaren, dass sie dich mediieren darf und dass sie dich im Gegenzug das nächste Mal empfiehlt, wenn ihre Freunde eine Mediation brauchen. Das fördert Vernetzung und gegenseitige Unterstützung. Noch mehr Vorteile: Du kannst deine Mediationserfahrung als Mediandin für alle deine Webseitentexte verwenden. Oder daraus einen Blogartikel machen. Nichts illustriert das abstrakte Thema Mediation so gut wie eine konkrete Fallbeschreibung aus der Sicht einer Konfliktpartei.

Und obendrauf: Wenn du deine Anfrage nach einer ehrenamtlichen Mediation für deinen eigenen Konflikt zum Beispiel in eine Facebook-Gruppe stellst, dann melden sich sehr viele Mediationskolleg:innen bei dir. Die Art und Weise, wie sie den Kontakt mit dir gestalten, kann für dich ein absolutes Lehrstück sein. Bei wem hast du dich wohlgefühlt? Wer hat dich womöglich mit seiner Art der Dialoggestaltung verschreckt und warum genau? Hier gibt es wirklich reichlich zu ernten.

Kennst du den alten Kalenderspruch: Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst in der Welt? Hier bekommt der Satz eine ganz neue Bedeutung, oder?

Doch zurück zu dir, lieber Horst. Ich möchte deine Geschichte zu Ende erzählen…

Also: Ich habe dir soeben diese eine, alles entscheidende Frage gestellt, ob du nicht mit deinem Kind an einer Online-Mediation teilnehmen willst?

Und ich habe dir diese ganzen tollen Gründe aufgezählt – und dann... herrscht Stille.

Schluck. Meine Gedanken überschlagen sich.

Ich bin irritiert.

Dann macht es klick.

Jetzt versteh ich's. Ich merke es dir an, Horst, du willst gar nicht so recht zur Mediation, stimmt’s? Ich schaue in dein Gesicht und ich merke es deutlich: Es ist dir nicht geheuer, oder?

Um nicht zu sagen: Du hast Angst, (verzeih das blöde Wortspiel) dich zum Horst zu machen…. Liege ich richtig?

Dir gehen so Gedanken durch den Kopf wie:

  • Ich muss mich da vor einem fremden Menschen mit sehr privaten Gefühlslagen zeigen und vielleicht auch Seiten meiner Persönlichkeit, die ich selbst gar nicht so genau kenne möchte.
  • Habe ich das Vertrauen, dass meine Mediatorin damit gut umgehen kann?
  • Haben wir nach der Mediation nicht einen größeren Scherbenhaufen als vorher?
  • Es ist völlig unklar, wie viel Geld das kostet – und der Erfolg ist auch nicht garantiert.
  • Was wird denn der Rest der Familie von mir denken, wenn ich denen sage, dass wir beide “eine Mediation brauchen”?

Kommen dir die Zweifel bekannt vor? Dann schnapp dir geschwind einen Stift und schreib sie für dich selbst und deinen eigenen Konflikt am besten ganz schnell auf.

Okay, alles notiert?

Dann herzlichen Glückwunsch zu all deinen Einwänden und Bedenken, denn mit diesen hältst du jetzt eine wahre Schatzkiste in den Händen.

Denn weißt du was?

All diese Zweifel und Einwände haben auch deine künftigen Mediand:innen!

Schau dir also all diese Zweifel sehr genau an. 

Du kannst dich über diese eigenen Ängste und Sorgen soooo extrem gut mit deinen Wunsch-Mediand:innen verbinden und dich fragen:

Was bräuchte denn ein Mensch, der gerade genau so zweifelt wie ich es tue, in genau diesem Moment von uns Mediator:innen, um sich dann doch für eine Mediation zu entscheiden?

Wie kann ich ihr/ihm die Entscheidung leichter machen? Wie muss ich mich geben, was auf der Webseite schreiben, am Telefon sagen und im Vorfeld noch zu schicken, um die Beziehung zu deinen Konfliktparteien aufzubauen?

Es liegt ja auf der Hand: Alle Antworten, die du auf diese zentrale Frage findest, sind deine ganz persönlichen Diamanten in der Schatzkiste deines Marketing-Dialogs mit deinen künftigen Kund:innen

Also, Horst, worauf wartest du? Bitte dein Kind um eine Online-Mediation und erreiche dein Win-win: die verbesserte Beziehung zu deinem Kind und seiner neuen Familie und dein angereicherter Erfahrungsschatz, mit dem du anonyme Konfliktparteien zu deinen ganz persönlichen Mediand:innen von morgen machst!

Und du, geht es dir wie Horst oder warst du schon mal Mediand:in? 

Erzähl doch mal in den Kommentaren...

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Imke Trainer im Gespräch mit der Deutschen Stiftung Mediation

Wenn Sie erfahren möchten, wie Mediation das Entweder-Oder-Denken überwindet, lesen Sie Imke Trainer im Gespräch mit Robert Glunz

Deutsche Stiftung Mediation:
Wir setzen unsere Interviewreihe mit einem Gespräch mit Imke Trainer fort. Imke Trainer betreibt gemeinsam mit ihrem Kollegen Rüdiger Hausmann die RheinMediation in Köln. Sie ist lizenzierte Mediatorin BM ® und Mitglied der Regionalgruppe Rheinland des Bundesverbandes Mediation e. V. sowie zertifizierte Mediatorin gemäß § 2 ZMediatAusbV. Darüber hinaus arbeitet sie als Multiplikatorin des Projekts “Giraffentraum®” nach Frank und Gundi Gaschler zur Einführung der Gewaltfreien Kommunikation in Kindertagesstätten und Grundschulen.

Frau Trainer, gibt es Ihrer Meinung nach markante Meilensteine in der Entwicklung der Mediation?

Ein (kontinuierlicher) Meilenstein ist sicherlich die jahrzehntelange Arbeit der Berufsverbände der Mediation, die unermüdlich dafür sorgen, dass Mediation wahrgenommen, anerkannt und qualitativ hochwertig durchgeführt wird.

Darüber hinaus stellt für mich das Mediationsgesetz von 2012 einen weiteren Meilenstein dar. Das meine ich zwar absolut nicht inhaltlich, da das Gesetz eher Dinge regelt, die zuvor ohnehin "erlaubt" waren und privatvertraglich geregelt wurden. Aber ich denke, das Gesetz hat eine große Bedeutung für die Außenwirkung der Mediation. Sie wird nun vermehrt nachgefragt, als seriös eingestuft und erfährt Anerkennung als alternatives Verfahren der Streitbearbeitung.

Wie wichtig und zukunftsfähig ist das Thema Mediation für unsere Gesellschaft heute aus Ihrer Sicht?

Aus meiner Sicht kann dem Thema Mediation gar nicht genug Beachtung geschenkt werden. Ein Blick in die aktuelle Politik genügt, um zu verstehen, dass ein zweidimensionales Denken zur Lösung unserer aktuellen, multifaktoriellen und interdependenten Probleme nicht mehr ausreicht.

Ich bin überzeugt davon, dass ein Entweder-Oder-Denken im Sinne von "You're either with us, or against us", wie es einmal der ehemalige US-Präsident George W. Bush geäußert hat, lediglich Druck erzeugt. Und Druck erzeugt Gegendruck.

Dies setzt in der Regel eine Eskalationsspirale in Gang, obwohl doch eigentlich dringend Lösungen für globale Probleme gefunden werden müssten. Mediation trägt in diesem Sinne dazu bei, ein präzises und mehrdimensionales Denken zu fördern, den kreativen Umgang mit Widersprüchen zu erlernen und die Diskussion von der konfrontativen auf eine konstruktive Ebene zu lenken, um Lösungen zu finden, die keinen erneuten Gegendruck produzieren. Wenn diese Lösungen im Rahmen einer Mediation auf freiwilliger und eigenverantwortlicher Basis erzielt wurden, dann haben sie eine viel größere Tragkraft als die von oben oder von außen verordneten "Verträge". Diese Eigenverantwortung ist aus meiner Sicht von elementarer Bedeutung für unsere Gesellschaft, unseren Rechtsstaat und unser Demokratieverständnis. Und genau dazu kann Mediation sehr wesentlich beitragen, indem es einen geeigneten Rahmen für die Selbsterfahrung dieser Eigenverantwortung bietet.

Wie bewerten Sie das heute vorhandene Verständnis zum Thema Mediation in Deutschland?

Ich glaube fest an das Entwicklungspotenzial der Mediation. Gleichzeitig sehe ich, wie wenig bekannt die Mediation in vielen Teilen der Gesellschaft noch immer ist. Darüber könnte ich nun jammern oder denken: Das möchte ich gerne ändern! Ich entscheide mich an fast allen Tagen für die zweite Variante. Es ist unsere Aufgabe als Mediatoren, Menschen zu einem positiven "Erstkontakt" mit Mediation zu verhelfen. Das muss nicht zwingend die Teilnahme an einer Mediation bedeuten; manches Mal reicht auch schon ein interessantes Gespräch oder ein berührender Artikel oder Blogpost über die Wirkung von Mediation. Damit will ich sagen, dass wir alle jeden Tag dazu beitragen können, dass Mediation bekannter, anerkannter und damit letztlich in der Gesellschaft als so "normal" akzeptiert wird, wie es zum Beispiel das Thema Coaching in den vergangenen Jahrzehnten geworden ist.

Wie unterscheidet sich für Sie die Mediation von anderen Konfliktlösungsmethoden?

Die Mediation berücksichtigt das Prinzip der Eigenverantwortung. Konfliktparteien verstehen zunächst einmal ihren Konflikt; damit wird schon ein Grundstein für den künftigen Umgang mit ähnlichen Situationen gelegt. Dann verstehen sie auch noch ihr Gegenüber und können darüber hinaus zu jedem Zeitpunkt selbst entscheiden, wie eine gute Lösung für sie aussieht. Sie gestalten damit nicht nur ihren Konflikt, sondern gestalten aktiv ihr Leben mit. Diese Selbstwirksamkeit ist das höchste Gut der Mediation.

Welche Faktoren sind Ihrer Meinung besonders entscheidend, damit eine Mediation erfolgreich wird?

Als Freundin der Gewaltfreien Kommunikation würde ich es so formulieren:

Entscheidend ist für mich, ob es mir als Mediatorin gelingt, einen empathischen Zugang zu den Medianden zu finden.

Dabei ist mir ganz wichtig, eine Schlüsselunterscheidung der Gewaltfreien Kommunikation zu berücksichtigen: Verstehen heißt nicht, einverstanden zu sein. Aber der empathische Zugang zu jedem einzelnen Menschen in seinem Konflikt, die Not auf allen Seiten wirklich zu sehen und allparteilich anzuerkennen, das ist neben den anderen Faktoren wie einer gründlichen Auftragsklärung, Freiwilligkeit, Eigenverantwortung etc. für mich sehr ausschlaggebend.

Existieren besondere Risiken, um eine Mediation durchzuführen?

Das größte Risiko, das ich mir vorstellen kann, wäre eine schleichende Traditionalisierung von Mediation und damit auch von uns Mediatoren. Damit meine ich eine geistige Unbeweglichkeit, Mediation nicht stetig weiterentwickeln zu wollen. Jede Mediation ist neu, und jede Mediation ist anders. Das sollten wir bereit sein, immer wieder aufs Neue zu leben.

Welche Rolle spielt die Gewaltfreie Kommunikation für die Mediation beziehungsweise in der Mediation?

Eine Mediation ohne die Haltung der Gewaltfreien Kommunikation ist für mich schlichtweg nicht denkbar. Ich gehe davon aus, dass es in jeder Mediation im Wesentlichen darum geht, welche angenehmen oder unangenehmen Gefühle die Medianden bewegen und auf welche erfüllten und unerfüllten Bedürfnisse diese Gefühle verweisen, und um die Frage, was die Medianden brauchen, um sich ihre Bedürfnisse in Zukunft wieder zu erfüllen. Das hört sich simpel an, kann aber viel Arbeit bedeuten, das Gespräch auf diese Ebene zu bringen und die wesentlichen Fragen in diesem Sinne zu "übersetzen". Und dafür ist die Gewaltfreie Kommunikation die wirkungsvollste Haltung, die ich kenne.

Welche Erfahrungen haben Sie insbesondere im Kontext „Kindertagesstätten und Grundschulen“ gemacht?

Ein Erlebnis, an das ich besonders gerne zurückdenke, stammt aus einem Konflikt im Kontext der Kindertagesstätten. Dort unterhielten die betroffenen Eltern während eines Konflikts über viele Wochen eine WhatsApp-Gruppe, um sich auszutauschen. Rückblickend verlief dieser Chat nach eigener Aussage der Eltern nicht immer konstruktiv und hat nicht zur Verständigung mit den Erziehern beigetragen. Auf die Frage der Eltern, wie sie denn künftig besser mit schwierigen Gesprächen umgehen könnten, habe ich die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation leicht abgewandelt als vier hilfreiche Fragen vorgestellt, die sich jedes Elternteil und jeder Erzieher vor möglichen Gespräch zunächst selbst beantworten kann, um selbstgeklärter in ein Gespräch hineinzugehen. Diese vier Fragen hat dann eines der Elternteile fotografiert und in die WhatsApp-Gruppe gestellt. Anschließend haben alle Eltern beschlossen, die Gruppe damit zu schließen und wieder mehr ins persönliche Gespräch zu gehen. Das war für mich ein sehr schönes und berührendes Bild, dass dieser Chat mit den vier Fragen der Gewaltfreien Kommunikation beendet wurde.

Gibt es weitere Aspekte, die nach Ihrer Meinung in Bezug auf Mediation wichtig sind und möchten Sie unseren Lesern noch etwas mitteilen?

Ich möchte gerne mit einem weit verbreiteten Irrtum aufräumen. Immer wieder höre ich zu Beginn einer (Team-)Mediation, es sei doch Sinn und Zweck der Sache, dass "wir hier alle sachlich bleiben". Meine Einladung lautet: Trauen Sie sich, im geschützten Rahmen über Ihre Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen und testen Sie einfach einmal unverbindlich aus, welchen Verlauf der Konflikt nimmt.

Häufig ist es gerade dieses Verharren auf der Sachebene, das eine echte Verständigung und letztlich eine Annäherung verhindert.

Meine feste Überzeugung ist, dass Verständigung und das Aufeinanderzugehen viel einfacher werden, wenn wir uns für unser Gegenüber als Mensch mit Gefühlen und Bedürfnissen sichtbar und erkennbar zeigen.

Veröffentlicht am 15. Feb 2019, das Gespräch führte Robert Glunz.

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Fehler kommt nicht von falsch

Wie du als Mediator:in in der Mediation mit dem Wort Fehler umgehen kannst…

Der Vorwurf „Du hast einen Fehler gemacht” fällt in Mediationen regelmäßig. Schwierig wird es jedoch, wenn auf der Sachebene tatsächlich Versäumnisse zu finden sind. Denn trotz der offenkundigen Schieflage möchte sich dennoch keiner der Medianden von den Anderen zum „Schuldigen” erklären lassen. Lest hier, warum das Wort „Fehler” nicht von „falsch” kommt und wie Ihr als Mediator:innen einen sprachlich differenzierten Umgang mit dem bösen F-Wort findet, der einen schuldfreien Raum eröffnet.

Wer hat folgende Situation nicht schon einmal erlebt? In einer innerbetrieblichen Team-Mediation zwischen mehreren Mitarbeitern geht es um die bisher nicht gelungene Umsetzung eines Manuals. Verschiedene Parteien sind der Ansicht, dass die jeweils andere Konfliktpartei die Verantwortung für die Situation trägt, mit der alle Parteien sichtlich unzufrieden sind. Und plötzlich wendet sich eine der beteiligten Parteien vor der ganzen Gruppe an den Sitznachbarn und sagt laut und deutlich: „Aber in der Situation, da hast du doch eindeutig diesen Fehler gemacht!” Für einen kurzen Moment bleibt der angesprochenen Person die Luft weg, doch sobald sich die Konfliktpartei ein wenig gefangen hat, legt sie zum Gegenangriff los….

Du hast einen „Fehler” gemacht

Immer wieder erlebe ich in Mediationen, wie die Situation weiter eskaliert, wenn eine der Konfliktparteien das Wort „Fehler” benutzt. Oftmals wird dann fast körperlich spürbar, welch negatives Gewicht dieses eine Wort hat und wie die Atmosphäre im Raum binnen Minuten hitzig wird. Wenn Medianden auf der Sachebene hören, dass sie einen Fehler gemacht haben, bricht die Verbindung zum Gegenüber meist sofort ab und eine bereits erfolgte Annäherung rückt in weite Ferne. Kein Wunder, denn eine von mehreren Definitionen von „Fehler” lautet: Etwas, was falsch ist, vom Richtigen abweicht; Unrichtigkeit (Duden). Was Medianden gerade im Streit als Botschaft empfangen, wenn sie hören, einen Fehler gemacht zu haben, ist nämlich nicht, dass auf der Sachebene etwas falsch gelaufen ist, sondern dass sie als Mensch oder als Person falsch sind. Oder dass sie Schuld tragen an der gesamten Situation. Und das möchte nun wirklich niemand auf sich sitzen lassen. Wenig überraschend also, dass das Wort „Fehler” in fast jeder Mediation als verlässlicher Trigger fungiert.

Scheitern als Bedrohung des Selbstwertes

"Gerade in individualistisch orientierten Gesellschaften stellt Scheitern eine Bedrohung des Selbstwertes dar. Je mehr Leistung zum Kriterium für die soziale Rolle und das Selbstbild wird, desto gravierender ist ein Versagen." Olaf Morgenroth ist Professor für Gesundheitspsychologie an der Medical School Hamburg mit dem Forschungsschwerpunkt "Umgang mit Fehlern und Misserfolgen“

Quelle: https://www.consulting.de/job-karriere/arbeiten-im-consulting/consulting/10-tipps-so-gehen-sie-richtig-mit-fehlern-um/ abgerufen am 18.2.2020

Konstruktive Auflösung des Wortes „Fehler”

Einen hilfreichen Hinweis zum Umgang mit dem Wort „Fehler” erhielt ich vor längerer Zeit von der GFK-Trainerin Hannah Hartenberg. Das Wort „Fehler”, so verkündete sie auf einem Netzwerktreffen, leite sich nämlich keineswegs vom Wort „falsch” ab. Pause und Grübeln unter den Anwesenden. Nein, wovon denn dann? Vielmehr weise das Wort „Fehler” auf ein „Fehlen” hin. Also darauf, dass in einer schwierigen Situation etwas Entscheidendes für eine gute Lösung oder einen guten Umgang mit der Situation gefehlt hat. Lächeln auf den Gesichtern der Anwesenden. Allen ist intuitiv sofort klar, dass diese Unterscheidung eine neue Denk- und Sichtweise bedeutet. Sie hilft, eine Lernkultur zu schaffen statt eine Fehlerkultur beizubehalten. Diese sprachliche Differenzierung hat mich sofort überzeugt und ich habe sie seitdem in vielen Mediationen erfolgreich angewendet.

„Fehler” kommt nicht von falsch, sondern von "fehlen"

Das kann sich im oben angeführten Beispiel so oder so ähnlich anhören, wenn Ihr als Mediator:innen auf die Aussage “Du hast einen Fehler gemacht” reagiert:

„Wenn Sie als Team davon ausgehen, dass Fehler bedeuten, dass eine oder einer von Ihnen etwas falsch gemacht hat und dafür allein verantwortlich ist, dann besteht die Gefahr, dass Sie sich nun in eine problemorientierte Debatte über Schuld und Nicht-Schuld verstricken. Wenn Sie hingegen, so wie Sie hier als Team zusammensitzen, für einen Moment davon ausgehen könnten, dass sich das Wort „Fehler” nicht von „falsch” ableitet, sondern auf ein „Fehlen” hinweist, dann könnte das für Sie als Team bedeuten, dass Sie hier gemeinsam herausfinden können, was in der beschriebenen Situation gefehlt haben mag, um zu einer guten Lösung zu kommen”.

Nutzen durch schuldfreien Raum und lösungsorientierte Haltung

Erfahrungsgemäß ist diese Intervention deshalb hilfreich, weil sie zweierlei Nutzen hat: Zum einen wird die Verantwortung für die Situation nicht mehr nur einer Person zugeschrieben, sondern versachlicht und als Frage an alle Beteiligten gerichtet. Dadurch entsteht ein schuldfreier Raum, in dem alle Mitglieder eines Teams gefragt sind, sich mit einer für alle Beteiligten relevanten Frage zu beschäftigen. Zum anderen ist es eine lösungs- und ressourcenorientierte Fragestellung, die die Kreativität, Analysefähigkeit, Innovationskraft und die Lösungsfindungskompetenz der Beteiligten anspricht. Diese beiden Nutzen waren in meiner bisherigen Arbeit besonders wertvoll und ich kann die Anwendung dieser sprachlichen Nuancierung für sämtliche Beratungsformate empfehlen. Ich empfinde die Intervention als weiteren kleinen Schritt weg von einer Fehlerkultur und hin zu einem "lessons learned" und habe in Mediationen in der Vergangenheit oft erlebt, wie die Medianden nach dieser Intervention hörbar aufgeatmet haben und besonders schnell eine große Bereitschaft entstanden ist, gemeinsam und als Team nach dem fehlenden Element zu suchen.

Wie sind Eure Erfahrungen mit dem Wort Fehler? Schreibt uns in die Kommentare oder lasst einen nützlichen Tipp für andere Mediator:innen da, damit wir gegenseitig voneinander lernen.

Dieser Artikel erschien im Frühjahr 2020 in der "Spektrum der Mediation", Ausgabe Nr. 80.

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5 Ressourcen für Führungskräfte zum Umgang mit Teamkonflikten

5 Ressourcen, die Führungskräfte immer zur Verfügung haben, egal wie der Konflikt gelagert ist.

Konflikte sind mehrdimensional und multifaktoriell. Als Leiter*in, Führungskraft oder Mitglied der Personalabteilung gehört es zu deinen Aufgaben, in Konflikten konstruktiv einzugreifen. Gleichzeitig ahnst du, dass es Umgangsweisen mit Konflikten gibt, die mehr Probleme schaffen als sie zu lösen? Erfahre hier, welche Ressourcen dir im Umgang mit innerbetrieblichen Konflikten zur Verfügung stehen.

1. Interveniere so früh wie möglich und nimm Einfluss auf die Eskalationsdynamik

Bei Konflikten ist es ähnlich wie mit Zahnschmerzen. Probleme tauchen plötzlich auf und wir wissen: das hat eine Menge mit Karies zu tun. Was tun wir? Wir sagen uns vielleicht so Sätze wie: ‚Ach, das war nur eine kurze Reizung‘ oder ‚Bei einer Erkältung können Zähne schon mal weh tun‘. Früher oder später erkennen wir dann schmerzlich, dass ein Zahnarztbesuch unausweichlich wird. So verhält es sich auch mit Konflikten. Dass sie einfach so verschwinden, ist sehr unwahrscheinlich. Nicht selten haben wir Angst, durch unser Eingreifen die Dinge schlimmer zu machen und warten lieber ab. Die Lösung liegt jedoch nicht darin, gar nichts zu unternehmen, sondern die Sache richtig anzufassen. Zur Not mit einer Wurzelbehandlung, im besten Fall mit einem kurzen Einsatz des Bohrers. Wenn du nicht weiter weißt, ziehe einen Experten hinzu. Mediator:innen analysieren und beleuchten mit dir gemeinsam den Konflikt und beraten dich, welche weiteren Schritte du einleiten kannst.

2. Berücksichtige den emotionalen Zustand der Konfliktbeteiligten. Dieser verweist auf ungeahnte Ressourcen

Unterschwellige Aggressivität und wütendes Verhalten sind Brandbeschleuniger in Konflikten. Doch so negativ diese Gefühle von den Beteiligten wahrgenommen werden, so erfüllen sie doch eine wichtige Funktion. Das Positive am Ärger ist, dass er wie eine Ölstandsanzeige am Auto aufleuchtet, wenn uns etwas stört. Die Botschaft: Es besteht Veränderungsbedarf! Deine Mitarbeiter haben womöglich erkannt, dass Prozesse oder Teams nicht optimal laufen. Gleichzeitig finden sie durch Gefühle wie Wut und Ärger die Kraft, die Störung mitzuteilen. Lassen die Konfliktparteien ihrem Ärger nun jedoch freien Lauf, führt dies überraschenderweise nicht dazu, dass das Gegenüber einlenkt und sich die Situation beruhigt. Vielmehr sind nun beide Konfliktparteien verärgert und befinden sich in einem Wettrüsten der Wut, der berühmten Eskalationsspirale.

Empfehle den Konfliktparteien, sich zurückzuziehen und erst am darauffolgenden Tag das Gespräch zu suchen – wenn nötig in Begleitung. Denn wenn wir uns so richtig geärgert haben, sind die körperlichen Stressreaktionen bis zu acht Stunden im Körper nachweisbar!

3. Erkenne an, dass es einen Konflikt gibt und dieser thematisiert wird

Deine Mitarbeiter haben nun eine Nacht drüber geschlafen und möchten endlich loswerden, was genau sie so verärgert hat. Sie wollen gehört und ernst genommen werden. Der größte Fehler bestünde nun darin, die Anliegen der Beteiligten zu ignorieren oder „per Dekret“ für beendet zu erklären, obwohl noch keine Klärung erfolgt ist. „So, jetzt vertragt Euch mal wieder und macht weiter wie bisher!“ Diese Strategie ist in mehrfacher Hinsicht problematisch. Einerseits ignoriert sie die konkreten Konfliktanlässe und du erfährst nicht, welcher Veränderungsbedarf aus Sicht deiner Mitarbeiter besteht. Darüber hinaus beschädigt die Vorgehensweise euer Verhältnis, deine Leute verlieren schlichtweg das Vertrauen, dass du mit ihren Sorgen und Bedenken umgehen kannst. Kurz: Die Strategie führt unausweichlich dazu, dass der Konflikt weiter brodelt und der Leidensdruck steigt. Schon wenn du einfach anerkennst, dass es „Schwierigkeiten gibt“, sorgst du für eine Entspannung im Konflikt.

4. Nutze die Ressourcen deiner Mitarbeiter und beteilige die Betroffenen an der Lösungssuche

Deine Mitarbeiter haben Ihre Anliegen vorgebracht. Anschließend scheint für Außenstehende die Lösung manchmal förmlich auf der Hand zu liegen. Wie leicht wäre es da als Führungskraft zu sagen: „Liebe Mitarbeiter, dann ist die Lösung nun, dass Sie Projekt X und Sie Projekt Y übernehmen.“ Doch Vorsicht.

Um einen Konflikt nachhaltig zu klären, braucht es zu gleichen Teilen Verständnis für den Anderen sowie die Sicherheit, vom Anderen verstanden und anerkannt zu werden. Diese Gegenseitigkeit entsteht im Alltag nebenbei, wenn wir zusammen arbeiten, Aufgaben gemeinsam lösen und als Team Erfolge erzielen. Im Konfliktfall allerdings muss diese Gegenseitigkeit erst explizit hergestellt werden, zum Beispiel in einem klärenden Gespräch im Rahmen einer Mediation oder in Beratungsformaten wie Supervision oder Team-Mediation. Wenn dann gemeinsam Lösungen erarbeitet werden, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass diese – von den Mitarbeitern selbst gewählten Strategien – nachhaltig funktionieren.

5. Beziehe vermeintliche Konfliktverursacher wieder in das System ein

Nicht selten gibt es in Team-Konflikten einen überraschend einhelligen Konsens darüber, welche Person der Urheber und „Schuldige“ für die derzeitige Misere sei. Hier gilt es jetzt zu entscheiden, ob die Person wirklich aus dem Team genommen werden soll, kann oder muss. Oder spielt die Person eine bestimmte Rolle im Teamgefüge, die nach dem Weggang des Mitarbeiters einer anderen Person zugewiesen wird, so dass nach der Versetzung keine wirkliche Veränderung eintritt? Verweist die Ablehnung dieser Person vielleicht auf Herausforderungen oder unangenehme Themen, die im Team brodeln?

In diesen Fällen ist es im Sinne des Unternehmenserfolgs zielführend, den Schwerpunkt der Intervention auf die Beziehungen im Team zu legen und die noch unsichtbaren Themen zu bearbeiten, bevor du dich voreilig für eine Versetzung, Kündigung oder Beförderung entscheidest. Diese Maßnahme kann, muss aber keine Lösung sein. Im Einzefall lohnt sich ein unverbindliches Vorgespräch um zu klären, welche Maßnahmen du selbst in die Wege leiten kannst oder wo du aufgrund deiner Rolle an deine Grenzen stößt. Mehr Klarheit führt zu besseren Entscheidungen, nutze deinen Handlungsspielraum.


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Interkulturelle Aspekte der Mediation

Hast du schon einmal eine Mediation mit Vertreter:innen unterschiedlicher Kulturen abgesagt, weil du dachtest, für eine bestimmte Kultur nicht kompetent zu sein?

Als Mediator:innen sind wir ständig damit befasst, zwischen verschiedenen Welten zu vermitteln und zu übersetzen. Und manchmal glauben wir, diese Form der Vermittlung könne uns nur in dem kulturellen Kontext gelingen, den wir selbst zu kennen glauben.

Doch warum glauben wir, dass wir in der eigenen Kultur kompetent sind und in einer fremden nicht?

Und viel grundsätzlicher gefragt: Was ist daran so schlimm, dass wir nicht alles über ein bestimmte Kultur wissen? Ist es in der Mediation nicht gerade so, dass insbesondere unser Nicht-Wissen und unsere Rückfragen den Medianden dabei helfen zu verstehen, was sie bislang in ihrem Konflikt übersehen haben?

Kultur als Scheinriese

Irgendwie ist Kultur ein Scheinriese wie in der Geschichte von Jim Knopf: Je weiter ich von einer Kultur entfernt bin, umso größer erscheint der Riese „Kultur“ und umso mehr fällt mir seine Andersartigkeit auf.

Aus der Entfernung neige ich dazu, der Kultur größeren Stellenwert einzuräumen. Andersherum wird der Scheinriese „Kultur“ immer kleiner, je näher ich an ihn herankomme. Die vorherige Bedeutung und Schein-Orientierung durch die Kultur nimmt mit zunehmender Nähe immer weiter ab – bis hin zur völligen Blindheit gegenüber der kulturellen Komponente.

Anders gesagt: Ich erkenne nicht an, dass ein Familienmitglied, das mir nahe steht und aus der gleichen Kultur kommt, ganz anders empfinden kann als ich. Und gleichzeitig erkenne ich am Ende vor lauter „Kultur“ nicht mehr, dass jemand, der offenbar ganz anders ist als ich, mir in seinen Wünschen und Bedürfnissen sehr nah sein kann.

Mediation ist interkulturell

Vor diesem Hintergrund ist es nicht notwendig, sich in einer bestimmten Kultur besonders gut auszukennen. Vielmehr kommt es darauf an, unvoreingenommen mit den Konfliktparteien in Kontakt zu treten. Wir glauben, dass Mediation schon von ihren Wurzeln interkulturell ist: Sie ist historisch bereits vor vielen Jahrhunderten in unterschiedlichen Teilen der Welt entstanden. Zudem sind die Kernkompetenzen des Mediators dieselben Fähigkeiten, die auch für interkulturelle Kompetenz beschrieben werden: die Toleranz gegenüber unauflösbaren Widersprüchen, die metakommunikative Kompetenz als Mediator:in und das vorurteilsbewusste Denken.

Beweglichkeit gegen blinde Flecken

Damit wir als Mediatoren die interkulturelle Vielfalt als Ressource im Konflikt erkennen und sie als solche nutzen können, ist es wichtig, in Bewegung zu kommen. Denn nur durch die Veränderung der Blickrichtung kann das, was wichtig ist, auch sichtbar werden. So können wir gemeinsam mit den Medianden neue Räume betreten und den Konflikt unter veränderten Gesichtspunkten beleuchten. Gelingt uns dies, erkennen wir die blinden Flecken, die mit jeder Kultur einhergehen. Und blinde Flecken verhindern eine echte Verständigung.

Erst wenn wir gemeinsam mit unseren Medianden eine neue Brille aufsetzten, gewinnen wir andere Einblicke, statt uns vom blinden Fleck unseres Sehnervs narren zu lassen.

Und schon eröffnen sich wie von Zauberhand neue Ansätze und Lösungswege im Konflikt.

Als Mediator:in hast du schon viele Zutaten zur Verfügung, um interkulturelle Mediationen zu gestalten. In unsrem Seminar ‚Interkulturelle Aspekte der Mediation‘ geben wir dir Rezepte für diese Zutaten an die Hand – in Form von Methoden, praktischen Übungen und dem transkulturellen Ansatz der positiven Psychologie von Nossrat Peseschkian. Für nähere Informationen nimm einfach Kontakt mit uns auf.


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Team-Mediation als Online-Mediation über Zoom. Echt jetzt?

Warum wir dafür plädieren, Konflikte in Krisenzeiten nicht aufzuschieben, sondern eine Online-Mediation fürs Team einzuberufen.

Es war schon vor Corona nicht ganz einfach in eurem Team, aber jetzt ist es die Hölle!

Du beißt dir auf die Nägel. Wie oft schon hast du dir vorgenommen, die schlechte Stimmung zwischen dir und Maria anzusprechen? Ein Thema nach dem anderen hat Maria auf den Tisch gepackt, und dir ist es schwer gefallen, dich zu konzentrieren. Einen Moment lang kommt dir der Gedanke, dass sie mit diesem ganzen Formalkram eurem eigentlichen Problem ausweicht. Du hast dich heute dabei erwischt, dass du die Gestaltung eures neuen Flyers übernommen hast, obwohl sie das viel besser kann. Nur weil du Angst hattest, dass sie einschnappen könnte und du dann wieder diesen Kloß im Magen spazieren führst.

In den letzten Monaten hat sich in eurem Team viel angestaut. Eure Arbeit hat sich verändert. Bei vielen Themen, über die ihr euch vor Corona einig wart, ist es zu Reibereien, Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen gekommen.

Warum ist das eigentlich so?, fragst du dich.

Wir werfen mit euch einen Blick auf die Ursachen

Die Zeit, die ihr als Team in Präsenz miteinander verbringt, hat sich verringert. Mehr Dinge müssen nun in weniger Zeit geklärt werden. Es gibt einfach keine wertvollen Gespräche in der Teeküche mehr. Wenn es jetzt zu Missverständnissen, Ärger über den Kommunikationsstil des anderen und Ähnlichem kommt, dauert es lange, bis ihr dazu kommt, es zu klären. Bis dahin vergeht viel Zeit, in der sich jede:r von euch so richtig in ihrem Ärger suhlen kann. Wenn ihr euch dann wieder seht, gibt es so viele aktuelle Dinge zu besprechen, das ihr nicht dazu kommt, die alten Verärgerungen aufzuklären.

Ist ja vielleicht auch gar nicht so schlimm, denkst du. Und das geht dann auch wirklich eine Weile lang ganz gut. So lange, bis es das nächste Mal wieder kracht, oder du deinen Ärger herunter schluckst, oder schon wieder die Luft knistert. Nur nicht aus Liebe…

Im Laufe der Zeit wirst du darüber frustriert und fragst dich: Diese berühmte Resilienz, von der immer alle reden, und die sich in Zeiten des Virus angeblich herausbildet, könnte ich da bitte auch was von bekommen? Ihr müsstet euch eigentlich endlich mal zusammensetzen und über alles reden? Von Angesicht zu Angesicht? Eine neutrale Person müsste euch dabei helfen? Doch gerade in der Zeit der Kontaktbeschränkungen fällt euch das schwer?

Gleichzeitig ist dir bewusst, dass die aktuelle Situation für dich auch Vorteile gebracht hat. 

Es gibt Lebensbereiche, da hat sich für dich was zum Guten verändert. 

In der Familie, wenn nach dem Abendessen alle noch zusammensitzen, etwas spielen oder gemeinsam alte Fotos schauen, wird dir häufiger bewusst, was du an deiner Familie hast. Dir wird klar, wie wertvoll solche intensiven Momente sind und wie schnell sie im Rausch der Möglichkeiten des normalen Alltags verloren gehen können.

Lange, intensive Gespräche am Rhein mit deinem Coronafreund oder -freundin, die ihr im Frühjahr im Lockdown führtet (und die du im Sommer schon wieder vermisst hast)? Die nicht nur neue Erkenntnisse, sondern auch eine neue Nähe zueinander bewirkt haben?

Welche Rahmenbedingungen haben das ermöglicht, und worin lag die Intensität dieser gemeinsamen Zeit begründet, fragst du dich?

Spoiler: Es sind dieselben Rahmenbedingungen, die auch zum Gelingen von Online-Mediationen beitragen. 

Wir schauen uns das hier mal an:

  • Wir haben uns während der Pandemie sehr genau überlegt, mit wem wir unsere Zeit verbringen möchten. Gerade weil es ein gewisses Risiko bedeutet, jemanden in seine Nähe zu lassen, stand unmittelbar die Frage im Raum, wie sehr wir dieser Person vertrauen, dass sie uns durch ihr umsichtiges Verhalten wahrscheinlich nicht gefährdet. Wer aus unserem Freundeskreis tut uns gut? Das wissen wir intuitiv, aber als wir jetzt in der Situation waren, uns entscheiden zu müssen, haben wir wahrscheinlich die typischen Verhaltensweisen und Charakterzüge unsere Freund:innen etwas genauer reflektiert. Das heißt gleichzeitig, dass wir auch darüber reflektiert haben, inwiefern diese uns mehr oder weniger gut tun. Und damit haben wir auch uns selbst besser kennen gelernt. Und wir können die Beziehung zu unserem Freund nun tiefer und bewusster gestalten.
  • Wir hatten – durch die Abstandsregelungen notgedrungen – viel weniger Ablenkung. Es gab keinen Kellner, der nach unseren Wünschen fragte. Weil wir nicht im Cafe sitzen konnten. Der Typ am Nachbartisch fragte nicht nach Feuer. Weil es keinen Nachbartisch gab. Das Kleinkind hat sich nicht sein Eis aufs Knie gepfropft und darüber die nähere und weitere Umgebung auditiv in Kenntnis gesetzt. Weil es keine abgelenkten Eltern gab. Und das eigene Handy hat seltener gemuckt, weil wir es irgendwie leichter übers Herz gebracht haben, es stumm zu stellen.
  • Wir waren viel fokussierter, weil wir weniger Ablenkung hatten. Wir haben aufeinander gehört. Wir sind den Gedankengängen unseres Gegenüber bis in alle verwinkelten Ecken gefolgt.
  • Wir haben uns in ihn oder sie hineinversetzt und seine Gefühle nachempfunden. Wir haben uns überraschen lassen von ihren Schlussfolgerungen und waren fasziniert von seinen Emotionen. Indem jeder gedanklich nah beim anderen war, waren wir nahe beieinander.

Wie übersetzen wir diese Erfahrungen jetzt in Online-Mediation? 

Es geht um Fokus, Tiefe und Regelmäßigkeit.

Fokus

Es war die Ausblendung der Außenwelt, das Wegräumen von allem, das den Fokus ablenken könnte. Die konsequente Konzentration auf einige wenige (oder nur einen anderen) Menschen. Und sich dann in den nächsten Stunden von nichts ablenken lassen.

Tiefe

Durch diesen Fokus und die Konzentration auf die relevanten Gesprächspartner:innen, entsteht in Gesprächen mit Freunden eine Nähe. Im Konfliktlösungsgespräch schaffen wir etwas Ähnliches, wir nennen es eine Gesprächstiefe, wenn wir gemeinsam zu den Konfliktursachen abtauchen. Und in dieser Tiefe bergen wir die Lösung des Konfliktes.

Regelmäßigkeit

Wenn das Gespräch einmal in Gang gekommen ist, solltet ihr diesen Schwung nutzen und weiter am Ball bleiben, bis der Konflikt wirklich geklärt ist. Der Vorteil an Online-Mediationen ist, dass durch das Wegfallen von Reisezeiten und damit verbundenen Infektionsrisiken Termine meist schneller und regelmäßiger zustande kommen als in Präsenz. Dies ermöglicht eine Serie von Gesprächen, die wiederum Fokus und Tiefe beinhalten. Eine positive Dynamik entfaltet sich.

Diese Chance bietet Online-Mediation

Der Fokus, die gedankliche und emotionale Nähe und das regelmäßige Gespräch sind die Qualitäten, die wir in der Online-Mediation herzustellen trachten. Und bevor ihr fragt: Nein, eine Mediation per Videokonferenz ist nicht dasselbe wie eine Mediation in der persönlichen physischen Begegnung.

Doch was ist die Alternative – den Streit weiter eskalieren zu lassen?

Wir behaupten, dass es zum Zweck der Mediation günstiger ist, die körperliche Nähe zu opfern für einen absichtlich hergestellten Fokus im oben beschriebenen Sinn. Körperliche Nähe kann ein entscheidendes zusätzliches Qualtitätsmerkmal für Nähe sein, klar. Für sich alleine bedeutet sie jedoch nichts, sie kann sogar defokussierend und eskalierend wirken, wie jede überfüllte U-Bahn beweist.

Wir wissen nicht, wohin sich die Infektionslage entwickeln wird. Doch egal ob mit oder ohne Kontaktbeschränkungen, die Learnings aus den Lockdowns kann uns niemand mehr nehmen.

Unsere Erkenntnis ist: Viele der Faktoren gelingender Gespräche lassen sich über Videosoftware sehr gut umsetzen, wenn man weiß, worauf es ankommt. Im Fall der Mediation ist das die Konzentration auf die Menschen in deinem Team, mit denen du wirklich etwas zu klären hast. Und die Entscheidung für die Dritten, die sich mit den technischen Gepflogenheiten, der Steuerung solcher Gespräche und der Gesprächstiefe, also den Wegen hin zu konstruktiven Lösungen, gut auskennen.

Online-Mediation für dein Team mit Zoom? Ja, echt jetzt.

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Worauf kommt es beim Mediationsmarketing an?

Falls du so naiv bist wie ich bei der Eröffnung der RheinMediation, fängst du einfach an: Flugs ein Büro gemietet, Schild an die Tür, und Webseite veröffentlicht.

Die Idee: Alle, die Streit haben, finden die Homepage (oder das Türschild), lesen, da gibt‘s Mediation und denken ‚prima, da wird mir ja geholfen‘ und engagieren dich als Mediator.

Die Realität: Das Telefon schweigt, ich überprüfe ständig, ob die E-Mail-Adresse wirklich funktioniert, und wenn es an der Tür klingelt, ist es ein Paket für den Nachbarn über mir.

Irgendwann denkt du dann, ich muss mal was tun, dass die Leute auch von meiner Existenz erfahren – und schaltest (beispielsweise) Google-Ads. Da bekommt die Suchmaschine Geld dafür, dass du bevorzugt eingeblendet wirst, wenn Benutzer:innen nach bestimmten Begriffen suchen. Eine tolle Erfindung, besonders für Google.

Das Problem: wenn du nicht sehr sorgfältig die Suchintention der Benutzerin mit der Gestaltung der Anzeige (und der Webseite, auf die diese verweist) abgleichst, passiert es eher selten, das wirklich jemand auf diesem Weg deine Dienstleistung in Anspruch nimmt. Gleichwohl kostet jeder Klick auf die Anzeige Geld, und zwar deins. Das Anzeigenschalten so umzusetzen, dass es wirtschaftlich ist, ist eine Kunst für sich. Die technische Umsetzung ist jedenfalls der viel kleinere Teil, viel entscheidender ist es, die richtigen Formulierungen und die richtige Gestaltung zu finden, die den Suchenden das Gefühl geben, ‚Oh, hier bin ich richtig!‘. Und, genauso wichtig: denen, die nicht deine Zielgruppe sind, zu zeigen: Hier gibt‘s nichts für Euch, bitte weitergehen!

OK, Lehrgeld abgeschrieben, nächster Versuch.

Diesmal habe ich mir von Internet-Agenturen beim Mediationsmarketing helfen lassen. 1. Variante: wir optimieren deine Website, tragen dich in (irgendwelche ominösen) Verzeichnisse ein und schalten Werbeanzeigen. ‚Na, endlich geht es voran‘, dachte ich. ‚Was so teuer ist, muss ja gut sein‘. Hätte ich mal ins Kleingedruckte geschaut: da stand nämlich, dass ich die Texte und Bilder dazu liefern soll. Mit anderen Worten, an meinem Grundproblem hat sich nichts geändert: dass nämlich die Qualität dieser Texte und Bilder über den Erfolg entscheiden. Die korrekte technische Umsetzung ist zwar notwendig für den Erfolg, aber nicht hinreichend. (Das hätte ich mir mal aus dem Mathematikunterricht hinter die Ohren schreiben sollen…)

Ich mach‘s kurz: es war zwar arbeitsreich und teuer, es hat sich auch was bewegt, aber es war nicht sonderlich wirtschaftlich.

Auf zur 2. Variante: ‚Das passiert dir nicht nochmal‘, sagte ich mir. ‚Jetzt beauftragst du eine Agentur, die auch das Texteschreiben übernimmt‘. Nun hatte ich Texte, die gut performten. Blöderweise beschrieben sie aber eine Haltung und eine Dienstleistung, die nicht viel mit dem zu tun hatten, was ich tue und wofür ich stehe. Ich war nun fremd im eigenen Haus. Auch hatte ich das Gefühl – und das ist ja auch logisch – dass ich die falschen Kund:innen anzog. Wo es zwischenmenschlich nicht so gut passte, und die Ergebnisse nicht so überzeugend waren. Also habe ich diese Texte wieder abgeschaltet, und beschlossen, dass 1. Marketing nichts für Mediation ist, und 2. ich selbst vom Typ her für Marketing und ungeeignet bin. ‚Das bin ich halt nicht‘, habe ich mir gesagt.

Dass ich in dieser Zeit trotzdem gut zu tun hatte, lag daran, dass ich in der echten Welt viele Ideen und Vorgehensweisen umgesetzt habe, die gut geklappt, und für eine gute Auslastung gesorgt haben. Der Groschen, die Grundideen dieser Vorgehensweisen auf mein online-marketing anzuwenden, ist merkwürdigerweise erst Jahre später gefallen.

Der wichtigste Schluss, den ich heute aus diesen Erfahrungen ziehe: Ich komme als Mediationsunternehmer nicht umhin, meine Texte selbst zu schreiben. Banal? Mitnichten. Denn diese Texte haben viele Aufgaben:

1. Sie sind ein Dialog mit unseren potentiellen Kund:innen. Die Stimme dieser Texte hallt (hoffentlich…) im Bewusstein der Leser:innen nach und regt zur Auseinandersetzung mit den Inhalten an, die Leser:in antwortet im inneren Dialog auf gemeinsame Werte (‚Ja, genau, das finde ich auch!‘) oder gewagte Thesen (‚Das könnt ihr eurem Zahnarzt erzählen‘), und diesen Dialog führen wir fort, wenn wir dann in echt am Telefon sprechen oder zusammen arbeiten.

2. Sie regen einen Perspektivwechsel im Umgang mit ihren Konflikten an: alle, die nach dem Lesen so überzeugt sind, dass sie Kontakt mit uns aufnehmen, haben diesen Perspektivwechsel vollzogen.

3. Sie geben Gelegenheit uns, unsere Haltung und die Methode Mediation kennenzulernen.

4. Sie sind am Vertrauensaufbau beteiligt: ‚Wenn ich diese Texte lese, bekomme ich ein gutes Gefühl, dass wir zusammenpassen könnten.‘ Das liegt daran, dass wir die Menschen, mit denen wir zusammen arbeiten möchten, mit ihren Anliegen so beschreiben, dass sie sich wieder erkennen.

Ich würde so weit gehen, alles, was wir unternehmen, damit die richtigen Menschen zu uns finden, als die 0. Phase der Mediation bezeichnen. 

Mediationsmarketingkompetenz ist Mediationskompetenz, weil wir die gleichen Kompetenzen dafür brauchen: Empathie, Allparteilichkeit, Phantasie, Mut. Ein gewisses Händchen für Prozesse. Und mindestens so gut zuhören zu können, wie wir reden können. Ähm, und Geduld.

Daher denken wir auch, dass Marketing für Mediator:innen etwas Spezifisches ist: Ganz bestimmt können wir keine schreihalsige Werbung betreiben, und ganz bestimmt müssen die Formen, die wir wählen, mit unserer Haltung als Mediator:innen harmonieren. Ich hätte nie von mir selbst geglaubt, dass ich das Thema ‚Marketing‘ mal ernsthaft und intrinsisch interessant finden würde – und doch ist es die Reise, auf der wir uns gerade befinden: Marketing für Mediator:innen immer besser zu durchdenken und anzuwenden, zu leben. Danke, Universum!

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