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Die wahre Konkurrenz in der Mediation

Die wahre Konkurrenz in der Mediation

(mit Dank an Tammy Lenski für die Inspiration)

„Es gibt doch schon genug erfolgreiche Mediatoren, warum sollte ich mit renommierten Kolleg:innen in Konkurrenz treten…?“

Wir sagen: Deine Mitbewerber sind nicht das Problem. Hier verraten wir dir, welche Hürden du wirklich nehmen musst, wenn du Erfolg als Mediator:in haben möchtest….

Soll ich wirklich Mediator werden oder lass ich’s lieber sein?

Ja, Nein, ich mein….Jein! (frei nach Fettes Brot)

In meinem ersten Berufsleben war ich Simultandolmetscherin und Übersetzerin. Nach einer kurzen Zeit der Festanstellung als Dolmetscherin in Koblenz wollte ich mich als Übersetzerin selbstständig machen.

Damals habe ich beim so genannten Arbeitsamt einen Gründungszuschuss beantragt - und bewilligt bekommen. Zu den Voraussetzungen für die Zusage gehörte damals (wie heute) zwingend eine Wettbewerbs- und Konkurrenzanalyse.

So war die Denke:

  • Wer ist deine Konkurrenz?
  • Wie viele machen bereits dasselbe, was du gerade vorhast zu starten?
  • Und wie viel besser als du sind die, die bereits auf dem Markt sind?

Kennst du dieses Denken von dir selbst?

Du fragst dich vielleicht, ob du dir ernsthaft ein Mediationsgeschäft aufbauen sollst. Allerdings zögerst du noch. Denn dass dies mit Aufwand und Energie verbunden ist, das hast du während deiner Mediationsausbildung schon verstanden.

Die Fragen, die du dir gerade stellst, sind vermutlich:

  • Soll ich es überhaupt erst versuchen?
  • Lohnt sich das denn überhaupt?
  • Wird mir das jeeemaals gelingen? So ernsthaft?

Und werde ich wirklich eines Tages das Luxusproblem haben, zu viele Mediationsanfragen nicht mehr selbst bedienen zu können?

Wenn wir gegen Ende der Mediationsausbildung mit unseren Teilnehmer:innen über dieses Thema sprechen und fragen, wer sich als Mediator:in betätigen möchte, dann hören wir immer wieder diese oder ähnliche Sätze:

  • Ich weiß nicht, ob ich mich wirklich als Mediator:in selbständig machen soll...
  • Es gibt doch schon so viele Mediator:innen…
  • Und keiner der Mediatoren hat genug Aufträge…oder doch?
  • Alle erfolgreichen Mediatoren leben doch nur von der Ausbildung…
  • Werde ich jemals so gut werden wie meine Ausbilder:innen Sabine/Erkan/Neutrum/Divers?
  • Ich lass das lieber. Die Konkurrenz ist einfach zu groß…..

Viele angehende Mediator:innen fokussieren ihre Energie auf ihre direkten Mitbewerber.

Wie machen die anderen Mediator:innen das?

Was für Qualifikationen hat meine Kollegin erworben?

Welchen Fall mein Kollege zuletzt mediiert?

Kannst du dich alles fragen….

Kannst du aber auch sein lassen.

Denn weißt du was? Die wirkliche Konkurrenz ist nicht das Mediationsbüro auf der gegenüberliegenden Straßenseite. 

Und auch nicht die Mediatorin mit den hochkarätigen Fällen, von der du schon häufiger in der Zeitung gelesen hast, dass sie – angeblich – Stuttgart 21 begleitet haben soll. Auch wenn das keine klassische Mediation war, aber das ist ein anderes Thema.

Was ich damit meine?

Es mangelt uns allen nicht an Konflikten. Weder individuell, noch als gesamte Gesellschaft geschweige denn auf der internationalen Ebene. Es gäbe also genug zu tun. Mehr als genug für uns alle.

Konflikte sind ein so verlässlich nachwachsender Rohstoff, das wir gar nicht genug ausgebildete Mediator:innen auf der Welt haben könnten.

Doch was uns wirklich zu schaffen macht, ist,

  • dass viele Menschen noch nie von Mediation gehört haben
  • dass wir alle Angst vor Konflikten haben
  • dass wir (noch) kein Vertrauen in die Mediatorin als Person oder in die Mediation als Verfahren haben
  • dass wir fürchten, in Konflikten können wir nur verlieren
  • dass nicht alle Menschen, die unter einem Konflikt leiden, einen Mediator zu Hilfe holen

Wenn Menschen sich also entscheiden, ob sie zur Mediation gehen oder lieber nicht, dann entscheiden sie sich in der Regel nicht primär zwischen dir und deinem Konkurrenten.

Sondern sie kämpfen in dieser Frage gegen ganz andere Gegner.

  • Sie ringen mit ihrer eigenen Hoffnungslosigkeit, dass sich der Konflikt ohnehin nicht lösen lässt.
  • Sie erzählen sich, dass ihr Bruder/ihre Schwester ja immer schon ein hoffnungsloser Fall war.
  • Sie sind sich sicher, dass die Partner:in sich ja eh nie ändern wird.
  • Sie mutmaßen, dass es doch bestimmt total teuer ist und ungewiss, ob es zu einer guten Lösung kommt.
  • Sie hadern damit, ob sie genug Mut aufbringen, ihre eigene Handlungsunfähigkeit zu überwinden.
  • Sie überlegen, ob es dieser Konfliktpartner am Ende wert ist, eine Mediation anzuberaumen.
  • Sie ringen mit der eigenen Passivität, vielleicht doch alles beim Alten zu belassen.

Merkst du, wer dir hier wirklich Konkurrenz macht?

Die Vorbehalte, Ängste und Glaubenssätze deiner potentiellen Medianden

Und diese Konkurrenz ist echt nicht zu unterschätzen, ihr solltest du echte Beachtung schenken!

In die Transformation dieser Gegner darfst du deine ganze Energie investieren. Hier lohnt es sich, richtig Gehirnschmalz aufzuwenden und Antworten zu finden auf die Frage: Was kann ich tun, damit diese Gegner ihre Kraft verlieren?

Eine ernst zu nehmende Konkurrenz ist also …dein potentieller Kunde! Die meisten Kunden von Konfliktmanagement-Angeboten entscheiden sich nämlich nicht zwischen dir und der Konkurrenz. Sondern sie überlegen, ob Sie dich buchen oder ob sie weiterhin die „Hände in den Schoß legen“. Oder ob sie weiterhin versuchen sollten, den Konflikt im eigenen Team selbst zu lösen.

Wenn du es also schaffst, dass Ayla ihren Konflikt mit Ralf löst, dann werden sie – unaufgefordert – ihren Freunden davon erzählen. Sprich: Werbung für dich machen.

Wenn du es also schaffst, dass die anfangs skeptische Führungskraft Sabine nach dem Auftragsklärungsgespräch mit dir sagt: „Frau Mediatorin, wir haben dafür zwar kein Budget, aber wir brauchen das unbedingt!“. Dann weißt du, dass sie ihrer befreundeten Team-Leitung und auch den Anderen aus ihrem Business-Netzwerk davon berichten wird.

Mit anderen Worten: Du brauchst Antworten auf die Fragen deiner Mediand:innen, die da lauten:

  • Warum lohnt es sich, mich als Mediator:in ins Boot zu holen, anstatt gar nichts zu unternehmen?
  • Warum ist es ein Gewinn, mich zu buchen, statt selbst zu versuchen, den Streit zu lösen?
  • Warum lohnt es sich, Zeit und Nerven in mich zu investieren?

Wenn du überzeugende Antworten für deine wahren Gegner gefunden hast, dann wirst du als Mediator:in angefragt.

Versprochen.

Dann wirst du sogar mehr Aufträge haben, als du bedienen kannst.

Noch ein (aller)letztes Wort zum Thema Konkurrenz:

Seit 2015 bieten wir mit unserem Mediationsbüro das Seminar „Marketing für Mediatoren“  an. Früher in Präsenz, heute im Online-Format. Und häufig werden wir von Kolleg:innen oder Dritten gefragt, warum wir als Mediatoren eigentlich ein solches Angebot im Programm haben? Denn es sei doch wohl naheliegend und mehr als logisch, dass wir uns damit selbst – again – Konkurrenz machen. Oder etwa nicht? Sozusagen an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen… Ob wir das nicht auch so sehen?

Klar, auf den ersten Blick scheint das so. Auf den zweiten Blick haben wir im Laufe der Zeit jedoch festgestellt, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Wir alle – also wir Mediator:innen – bestellen gemeinsam das Feld der Mediation. Und jeder positive Kontakt zu Mediation vertieft das Vertrauen und trägt dazu bei, dass das Feld wächst. 

Also dass mehr Menschen nach Mediation fragen. Das wiederum bedeutet: Je mehr Leute auf dem Feld gute Arbeit leisten, desto mehr Früchte wachsen, desto mehr werden wir alle ernten. Und je größer das Feld wird, desto mehr potentielle Kunden werden davon erfahren.

Win-win, oder?

Also, jetzt du.

Wie geht es dir mit Konkurrenz und kannst du meinen Gedanken etwas abgewinnen? Schreib uns doch mal einen Kommentar...

Ich bin gespannt.

Herzlich, Imke

5 Kommentare

  • Hallo Imke, besonders faszinierend finde ich die Einsicht, dass die eigentliche Herausforderung nicht in der Konkurrenz zu anderen Mediatoren liegt, sondern in den inneren Widerständen und Vorbehalten der potentiellen Medianden. Diese Perspektive eröffnet eine völlig neue Herangehensweise an die Positionierung und Vermarktung als Mediator. Wie habt ihr anderen Mediatoren diese Hindernisse überwunden und Vertrauen bei euren Kunden aufgebaut? Welche Strategien haben sich als besonders wirkungsvoll erwiesen, um die Ängste und Zweifel der Medianden zu zerstreuen? Ich freue mich auf einen regen Austausch und wertvolle Tipps, die uns alle in unserer Praxis voranbringen können!
  • Liebe Imke,
    Wie immer, ein sehr wertvoller und klarer Beitrag der einem einen neuen Blickwinkel verschafft! Danke dafür!
  • Liebe Verena, danke für deine Treue und deine Resonanz :-) ich freue mich, dass dir der Artikel gefällt.
  • Hallo liebe Imke,
    ich denke die Glaubenssätze der potentiellen Medianden spielen eine wichtige Rolle, sie als Konkurrenz zu betrachten ist mir noch nicht in den Sinn gekommen, danke für den Impuls.

    Ich selbst sehe daneben noch die innere Konkurrenz von Handlungwillen und Zweifel. Genährt wird sie durch die Wahrnehmung der Performance anderer MediatorInnen, die mit viel Erfahrung oder hochkarätigen Ausbildungen werben und die eben erwähnten Glaubenssätze. Beides nährt bei noch wenig Erfahrenen die Zweifel ob man mithalten kann, ob das eigene Angebot einen Markt findet.

    Diese innere Konkurrenz zu überwinden und die Zweifel in Kraft zur Kreativität zu entwickeln ist für mich ein wichtiger Schritt um der Konkurrenz der Glaubenssätze erfolgreich zu begegnen.
  • Liebe Deana, die Konkurrenz, die du wahrnimmst, lohnt sich sehr zu transformieren. Dabei wünsche ich dir viel Erfolg, es lohnt sich!

Was denkst du?

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