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Team-Mediation als Online-Mediation über Zoom. Echt jetzt?

Team-Mediation als Online-Mediation über Zoom. Echt jetzt?

Warum wir dafür plädieren, Konflikte in Krisenzeiten nicht aufzuschieben, sondern eine Online-Mediation fürs Team einzuberufen.

Es war schon vor Corona nicht ganz einfach in eurem Team, aber jetzt ist es die Hölle!

Du beißt dir auf die Nägel. Wie oft schon hast du dir vorgenommen, die schlechte Stimmung zwischen dir und Maria anzusprechen? Ein Thema nach dem anderen hat Maria auf den Tisch gepackt, und dir ist es schwer gefallen, dich zu konzentrieren. Einen Moment lang kommt dir der Gedanke, dass sie mit diesem ganzen Formalkram eurem eigentlichen Problem ausweicht. Du hast dich heute dabei erwischt, dass du die Gestaltung eures neuen Flyers übernommen hast, obwohl sie das viel besser kann. Nur weil du Angst hattest, dass sie einschnappen könnte und du dann wieder diesen Kloß im Magen spazieren führst.

In den letzten Monaten hat sich in eurem Team viel angestaut. Eure Arbeit hat sich verändert. Bei vielen Themen, über die ihr euch vor Corona einig wart, ist es zu Reibereien, Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen gekommen.

Warum ist das eigentlich so?, fragst du dich.

Wir werfen mit euch einen Blick auf die Ursachen

Die Zeit, die ihr als Team in Präsenz miteinander verbringt, hat sich verringert. Mehr Dinge müssen nun in weniger Zeit geklärt werden. Es gibt einfach keine wertvollen Gespräche in der Teeküche mehr. Wenn es jetzt zu Missverständnissen, Ärger über den Kommunikationsstil des anderen und Ähnlichem kommt, dauert es lange, bis ihr dazu kommt, es zu klären. Bis dahin vergeht viel Zeit, in der sich jede:r von euch so richtig in ihrem Ärger suhlen kann. Wenn ihr euch dann wieder seht, gibt es so viele aktuelle Dinge zu besprechen, das ihr nicht dazu kommt, die alten Verärgerungen aufzuklären.

Ist ja vielleicht auch gar nicht so schlimm, denkst du. Und das geht dann auch wirklich eine Weile lang ganz gut. So lange, bis es das nächste Mal wieder kracht, oder du deinen Ärger herunter schluckst, oder schon wieder die Luft knistert. Nur nicht aus Liebe…

Im Laufe der Zeit wirst du darüber frustriert und fragst dich: Diese berühmte Resilienz, von der immer alle reden, und die sich in Zeiten des Virus angeblich herausbildet, könnte ich da bitte auch was von bekommen? Ihr müsstet euch eigentlich endlich mal zusammensetzen und über alles reden? Von Angesicht zu Angesicht? Eine neutrale Person müsste euch dabei helfen? Doch gerade in der Zeit der Kontaktbeschränkungen fällt euch das schwer?

Gleichzeitig ist dir bewusst, dass die aktuelle Situation für dich auch Vorteile gebracht hat. 

Es gibt Lebensbereiche, da hat sich für dich was zum Guten verändert. 

In der Familie, wenn nach dem Abendessen alle noch zusammensitzen, etwas spielen oder gemeinsam alte Fotos schauen, wird dir häufiger bewusst, was du an deiner Familie hast. Dir wird klar, wie wertvoll solche intensiven Momente sind und wie schnell sie im Rausch der Möglichkeiten des normalen Alltags verloren gehen können.

Lange, intensive Gespräche am Rhein mit deinem Coronafreund oder -freundin, die ihr im Frühjahr im Lockdown führtet (und die du im Sommer schon wieder vermisst hast)? Die nicht nur neue Erkenntnisse, sondern auch eine neue Nähe zueinander bewirkt haben?

Welche Rahmenbedingungen haben das ermöglicht, und worin lag die Intensität dieser gemeinsamen Zeit begründet, fragst du dich?

Spoiler: Es sind dieselben Rahmenbedingungen, die auch zum Gelingen von Online-Mediationen beitragen. 

Wir schauen uns das hier mal an:

  • Wir haben uns während der Pandemie sehr genau überlegt, mit wem wir unsere Zeit verbringen möchten. Gerade weil es ein gewisses Risiko bedeutet, jemanden in seine Nähe zu lassen, stand unmittelbar die Frage im Raum, wie sehr wir dieser Person vertrauen, dass sie uns durch ihr umsichtiges Verhalten wahrscheinlich nicht gefährdet. Wer aus unserem Freundeskreis tut uns gut? Das wissen wir intuitiv, aber als wir jetzt in der Situation waren, uns entscheiden zu müssen, haben wir wahrscheinlich die typischen Verhaltensweisen und Charakterzüge unsere Freund:innen etwas genauer reflektiert. Das heißt gleichzeitig, dass wir auch darüber reflektiert haben, inwiefern diese uns mehr oder weniger gut tun. Und damit haben wir auch uns selbst besser kennen gelernt. Und wir können die Beziehung zu unserem Freund nun tiefer und bewusster gestalten.
  • Wir hatten – durch die Abstandsregelungen notgedrungen – viel weniger Ablenkung. Es gab keinen Kellner, der nach unseren Wünschen fragte. Weil wir nicht im Cafe sitzen konnten. Der Typ am Nachbartisch fragte nicht nach Feuer. Weil es keinen Nachbartisch gab. Das Kleinkind hat sich nicht sein Eis aufs Knie gepfropft und darüber die nähere und weitere Umgebung auditiv in Kenntnis gesetzt. Weil es keine abgelenkten Eltern gab. Und das eigene Handy hat seltener gemuckt, weil wir es irgendwie leichter übers Herz gebracht haben, es stumm zu stellen.
  • Wir waren viel fokussierter, weil wir weniger Ablenkung hatten. Wir haben aufeinander gehört. Wir sind den Gedankengängen unseres Gegenüber bis in alle verwinkelten Ecken gefolgt.
  • Wir haben uns in ihn oder sie hineinversetzt und seine Gefühle nachempfunden. Wir haben uns überraschen lassen von ihren Schlussfolgerungen und waren fasziniert von seinen Emotionen. Indem jeder gedanklich nah beim anderen war, waren wir nahe beieinander.

Wie übersetzen wir diese Erfahrungen jetzt in Online-Mediation? 

Es geht um Fokus, Tiefe und Regelmäßigkeit.

Fokus

Es war die Ausblendung der Außenwelt, das Wegräumen von allem, das den Fokus ablenken könnte. Die konsequente Konzentration auf einige wenige (oder nur einen anderen) Menschen. Und sich dann in den nächsten Stunden von nichts ablenken lassen.

Tiefe

Durch diesen Fokus und die Konzentration auf die relevanten Gesprächspartner:innen, entsteht in Gesprächen mit Freunden eine Nähe. Im Konfliktlösungsgespräch schaffen wir etwas Ähnliches, wir nennen es eine Gesprächstiefe, wenn wir gemeinsam zu den Konfliktursachen abtauchen. Und in dieser Tiefe bergen wir die Lösung des Konfliktes.

Regelmäßigkeit

Wenn das Gespräch einmal in Gang gekommen ist, solltet ihr diesen Schwung nutzen und weiter am Ball bleiben, bis der Konflikt wirklich geklärt ist. Der Vorteil an Online-Mediationen ist, dass durch das Wegfallen von Reisezeiten und damit verbundenen Infektionsrisiken Termine meist schneller und regelmäßiger zustande kommen als in Präsenz. Dies ermöglicht eine Serie von Gesprächen, die wiederum Fokus und Tiefe beinhalten. Eine positive Dynamik entfaltet sich.

Diese Chance bietet Online-Mediation

Der Fokus, die gedankliche und emotionale Nähe und das regelmäßige Gespräch sind die Qualitäten, die wir in der Online-Mediation herzustellen trachten. Und bevor ihr fragt: Nein, eine Mediation per Videokonferenz ist nicht dasselbe wie eine Mediation in der persönlichen physischen Begegnung.

Doch was ist die Alternative – den Streit weiter eskalieren zu lassen?

Wir behaupten, dass es zum Zweck der Mediation günstiger ist, die körperliche Nähe zu opfern für einen absichtlich hergestellten Fokus im oben beschriebenen Sinn. Körperliche Nähe kann ein entscheidendes zusätzliches Qualtitätsmerkmal für Nähe sein, klar. Für sich alleine bedeutet sie jedoch nichts, sie kann sogar defokussierend und eskalierend wirken, wie jede überfüllte U-Bahn beweist.

Wir wissen nicht, wohin sich die Infektionslage entwickeln wird. Doch egal ob mit oder ohne Kontaktbeschränkungen, die Learnings aus den Lockdowns kann uns niemand mehr nehmen.

Unsere Erkenntnis ist: Viele der Faktoren gelingender Gespräche lassen sich über Videosoftware sehr gut umsetzen, wenn man weiß, worauf es ankommt. Im Fall der Mediation ist das die Konzentration auf die Menschen in deinem Team, mit denen du wirklich etwas zu klären hast. Und die Entscheidung für die Dritten, die sich mit den technischen Gepflogenheiten, der Steuerung solcher Gespräche und der Gesprächstiefe, also den Wegen hin zu konstruktiven Lösungen, gut auskennen.

Online-Mediation für dein Team mit Zoom? Ja, echt jetzt.

2 Kommentare

  • Hallo Andreas,
    Ich denke auch, es geht nicht mehr weg.
    Runtergebrochen findet ja jeder zwischenmenschliche Kontakt jenseits direkter Berührung übertragen statt (Schall, Licht, usw.)
    Die Qualitäten, die diesen Kontakt erlebnisreich, berührend, sinnhaft machen, sind on- und offline gefragt. Viel zu lernen, und zumindest dieser Aspekt macht ja auch Spaß.
  • Hallo Rüdiger, hallo Imke, ja, ihr habt recht. Wir sind gut beraten die Vorteile der online-Kommunikation zu nutzen und nicht zu jammern, dass es im realen Raum besser ist. Es wird nie mehr genau so sein wie vorher, es wird anders werden und je schneller wir lernen, was in der „Zoom“-Mediation geht, besser geht, gar nicht geht, um so besser. Ich bin sehr interessiert, hier zu lernen. Web-Conference Leben und Arbeiten ist bereits irreversibel in unser Leben integriert. Was keinesfalls heißt, dass wir es beherrschen.

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