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Unsere 5 größten Fehler beim Marketing als Mediator:innen…

Unsere 5 größten Fehler beim Marketing als Mediator:innen…

Und was du daraus lernen kannst....

Neulich haben wir unsere alten Unterlagen aufgeräumt und sind über unsere Ziele für das Jahr 2018 gestolpert. Dabei haben wir ganz schön gestaunt. Es war irgendwie wie eine lustige Zeitreise, weil uns dabei aufgefallen ist, wie viel sich seitdem bei uns verändert hat. Denn wenn man drinsteckt, in dieser berühmten Lernkurve, dann erkennen wir das ja gar nicht, dass wir uns gerade verändern… Kommt dir das bekannt vor?

Und ganz besonders haben wir gestaunt, weil ja inzwischen eine Pandemie nicht nur unser, sondern unser aller Geschäft grundlegend verändert hat. Wir haben das zum Anlass genommen und erinnern uns also heute noch weiter zurück  nämlich an unsere allerersten Anfänge als Mediator:innen und teilen heute mit dir, welche Fehler wir – aus unserer heutigen Sicht – damals ganz zu Beginn unserer Selbständigkeit gemacht haben in unserem eigenen ‚Marketing für Mediator:innen‘. Fehler sind was Schönes, findest du nicht auch? Denn du weißt ja, Fehler kommt nicht von ‚falsch‘, sondern von ‚fehlen‘. In diesem Sinne möchten wir mit dir teilen, woran es bei uns anfangs gemangelt hat. Das waren ganz unterschiedliche Dinge, doch lies am besten selbst, welches unsere fünf größten Fehler bei unseren eigenen Marketingaktivitäten waren.

1. Wahlloses Anzeigen-Schalten auf Google - wird schon was bringen?

Rüdiger hatte eine Phase, da wollte er gerne bekannt werden. Er hatte seine Geschäft gerade erst gestartet und war noch nicht so bekannt. Sein Ziel: Er wollte, dass seine Webseite sichtbar wird und wusste auch, wie er das hinkriegt. So zumindest dachte er. Was hat er gemacht? Viel Geld in die Hand genommen und wahllos in Google-Ads investiert, die auf den Internetauftritt von RheinMediation gelenkt haben. Hat es ihm was gebracht? Nein, denn er hatte keine konkrete Vorstellung von seiner Zielgruppe und deswegen keine Ahnung, was diese sich von Mediation in konkreten Worten versprechen würde. ‚Die Seite irgendwie bekannt machen‘ war jedenfalls einen winzigen Hauch zu unkonkret.

2. Wahlloses Anbieten von Mediation ohne Positionierung

Womit wir schon beim zweiten Fehler angekommen sind. Wir waren der Überzeugung, Mediation ist doch für alle Menschen gut, davon profitiert doch nun wirklich jeder und jede Einzelne.

Also sprechen wir einfach alle an! Leider ist es so: Wenn wir zu allen sprechen wollen, sprechen wir zu niemandem im Speziellen, es hört uns also keiner zu. Warum erreichen wir damit nur sehr wenige Medianden? Weil wir versuchen, jede Eventualität zu erfassen und das führt zu sehr abstrakten Formulierungen. Was soll dabei anderes herauskommen als Allgemeinplätze?

3. Damit hängt auch der dritte Fehler zusammen: Wir haben zu selten ‚Nein‘ gesagt.

Da ja Mediation irgendwie jeder gebrauchen kann, haben wir zu häufig Anfragen angenommen, die nicht bei drei auf dem Baum war. Ehrlich gesagt, haben wir sogar die Bäume solange geschüttelt, bis wir auch diejenigen mediieren konnten, die eigentlich noch gar nicht reif für den Prozess waren. Was war daran schwierig? Das war zum einen nicht redlich, zum anderen ist eine Mediation voraussetzungsreich: Es braucht nicht nur motivierte und kompetente Mediator:innen, sondern auch Medianden, die spüren oder wissen, dass sich nicht nur die Lösungsideen, sondern auch ihr Lösungsweg ändern muss. Ob dieses Bewusstsein zumindest in Ansätzen vorhanden ist - dies gilt es im Vorgespräch herauszufinden.

4. Wir haben unseren Medianden nicht zugehört.

Keine Angst, ich meine nicht, dass wir während der Mediation nicht richtig hingehört hätten. Sondern im Vorfeld: Welche Nöte plagen Menschen, bevor sie die nicht ganz so leichte Entscheidung treffen, die Probleme, die sie miteinander haben, vor wildfremden Menschen auszubreiten? Was genau erhoffen sie sich von der Mediation und was von uns Mediatoren? Ich glaube, damals waren wir zu viel in das Format ‚Mediation‘ verliebt, wo wir lieber in unsere Medianden verliebt hätten sein sollen. In dem Sinne, dass wir nicht sie versuchen, von Mediation zu überzeugen, sondern sie sich von uns verstanden fühlen und darum überzeugt sind, dass wir die Richtigen sind, um ihnen zu helfen.

5. Wir haben uns nicht helfen lassen

Eine Mediationsausbildung ist teuer. Richtig teuer. So dachten wir damals. Und als wir das ganze Geld ausgegeben hatten, haben wir uns gesagt: So, das muss nun reichen! Was wir damals noch nicht verstanden haben waren die Parallelen zum Hausbau: Eine Mediationsausbildungs ist das Fundament, ohne das alles Nichts wäre. Ein bewohnbares Haus braucht aber mehr als ein Fundament und wird Etage für Etage gebaut. Damit, dass wir nun mediieren konnten, haben wir zwar das Fundament für unsere Selbständigkeit als Mediator:in gelegt. Aber weder sind direkt nach der Ausbildung die Wände gebaut, noch liegt das Dach obenauf, von der Einrichtung ganz zu schweigen.

Und nun stell dir vor, dir würde der Häuslebauer von nebenan sagen: ‚Das Fundament war teuer genug, jetzt stell ich einfach einen Wohnwagen auf das teure Fundament, das wird schon reichen‘. Das würde bei den meisten Menschen Kopfschütteln auslösen, oder?

Wir brauchen also mehrere Elemente beim Hausbau, bevor wir einziehen und Gäste empfangen können. Und das kennt jeder Hausbesitzer aus leidvoller Erfahrung: Wenn man nicht jede Fliese selbst legen kann, muss man sich eben Hilfe holen. Man hat viele Ideen, wie das Haus von innen aussehen soll, und trotzdem brauchen die meisten Leute, die wir kennen, einen Innenarchitekten, der ihnen die schlimmsten Flausen austreibt. Man kann sich große Fenster mit Gartenblick aussuchen, meist brauchen wir aber Handwerker, die sie für uns einbauen. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen...

Sich rechtzeitig von Marketingberatern helfen zu lassen statt erfolglos Geld in fragwürdige Aktivitäten zu stecken, sich gerade am Anfang intensiv fachlich weiter zu bilden oder auch nur einen Steuerberater zu holen: All diese Dinge hätten unseren Start – im Rückblick betrachtet – weniger holprig gestaltet.

Heute sehen wir das so: Es gibt als Unternehmerin keine höhere Rendite zu erzielen, als in seine eigene Professionalisierung durch Weiterbildung zu investieren. Wissen, Können und Know-how sind für die Kunst der Mediation, aber auch für die anderen Aspekte der Unternehmensführung ein immens starker Hebel. Kein Investment, keine Anlageform kann sich mit dieser Rendite messen, die du so erzielen kannst.

Heute lassen wir uns helfen, und wir helfen selbst: Wir investieren jedes Jahr in mindestens eine große Weiterbildung, die unserer Professionalität zugute kommt. Und wir unterstützen Mediationskolleg:innen mit Coaching, Seminaren und unserem Mediations-Mentoring dabei, ihr eigenes Mediationsgeschäft an den Start und ans Laufen zu bringen. Das ist unser Dach, unter dem wir heute gerne arbeiten. Und als nächstes träumen wir von einer großen Dachterrasse… doch dazu mehr an einer anderen Stelle.

Und bei dir…?

Das waren sie also, unsere fünf Felder, die wir zu Beginn nicht bewässert haben. Diese Fehler vor dir so offen zu benennen, das fällt uns natürlich nicht ganz leicht. Gleichzeitig sind wir Mediator:innen und verbreiten die Idee einer Lernkultur statt einer Fehlerkultur. Deshalb lehnen wir uns damit heute aus dem Fenster, in der Hoffnung, dass dir das hilft. Was es uns leichter macht, mit unseren Fehlern zu leben, ist natürlich, wenn auch du uns darin unterstützt voneinander zu lernen. Deshalb möchten wir von dir gerne wissen: Welche Fehler hast du schon gemacht? Welche hast du auf dich zukommen sehen, aber gekonnt vermieden? Wenn ja, was hat dir geholfen, das schon im Vorfeld zu erkennen? Was möchtest du hier teilen?

Wir würden uns riesig freuen, wenn du einen Aspekt deines wertvollen Wissens hier weitergibst und freuen uns über deinen Kommentar!


4 Kommentare

  • Ja, den einen oder anderen Punkt würde ich unterschreiben. Zum Thema "Nein sagen", kann ich den schönen Satz meines geschätzten Kollegen Tilman Metzger beitragen: "Wenn du als Mediator die Mediation am meisten willst, dann lass es bleiben."

    Der wichtigste Punkt bei mir ist allerdings, dass die Begeisterung für das Thema am Anfang hauptsächlich im eigenen Kopf stattfand oder der eigene Bekanntenkreis damit begeistert/belästigt wurde.
    Das schafft nur keine Sichtbarkeit beim demjenigen, der einen Konflikt zu lösen hat. Nur der wird aber unser (zahlender) Kunde.
    Also frage ich mich jeden Abend: Was habe ich heute ganz konkret getan, damit zumindest ein(!) potentieller Kunde mehr bemerkt, dass ich das passende Angebot für sein Problem habe. Das ist anstrengend aber es konkretisiert die Akquisitionsbemühungen, deren Rückmeldung zu Beginn ja doch sehr diffus bleiben. Mit anderen Worten: Es reicht nicht "über Mediation zu reden", sondern es geht darum sich klarzumachen, warum ich mit wem wie und an welcher Stelle über Mediation rede. Daran arbeite ich gerade.
  • Ich finde mich in allen 5 Punkten wieder. Manchmal denke ich, es war ein Segen, dass ich erst nebenberuflich gestartet bin und hier diese Fehler machen wollte - ich sage wollte, denn sie haben mir Stück für Stück meinen Weg gezeigt.
    Ich habe mich nun auf das Thema Assistenz fokussiert und werde das Schritt für Schritt weiter ausbauen. Das ist der Beruf, aus dem ich komme. Hierbei hat mir ein Satz eines Trainerkollegen sehr geholfen: Nur weil ich sage, ich bin hauptsächlich für die Assistenz da, heißt es ja nicht, dass ich anderen die Türe weise.
    Tatsächlich macht mir die Mediation in Familie und Nachbarschaft eben auch viel Spaß, doch die darf zusätzlich kommen.
    Wenn ich auch jetzt gerade in der Findung noch wenig Fälle habe - eigentlich interessant, weil mit der Gieskannenmethode hatte ich dann letztes Jahr doch einige Fälle - weiß ich doch, das ist mein Weg und es fühlt sich stimmig an.
    Ich mache gerade auch nebenher die Ausbildung zur systemischen Coaching und stelle fest, dass sich Mediation und Coaching durchaus sehr gut ergänzt. Ich bin erst einmal dabei, Coaching zu wählen, das ich dann anwenden und anbieten kann, wenn ein MediantIn in die Mediation möchte, der andere allerdings nicht. Das passiert durchaus häufig. Hier biete ich an, dass ich mit einer Person den Konflikt ansehe, was kann diese Person tun, dass der Konflikt für sie nicht mehr so ein großer Ballon wird.
    Genau wie bei der Mediation kann ich im Coaching keinen Garant dafür liefern, dass alles in Friede Freude Eierkuchen endet. Jedoch kann ich garantieren, dass ein Prozess angestoßen wird.
  • Hallo Sabine,
    zur ‚Gießkannenmethode‘: es ist auch meine Erfahrung, dass die ‚ein bißchen‘ funktioniert. Ich habe folgende Erklärung gefunden: Wenn wir die Gießkannenmethode anwenden, dann lassen wir gewissermaßen unsere Kund:innen die Arbeit der Positionierung machen: sie nehmen uns auf ihre Weise wahr und überlegen für sich, ob das für sie passen könnte. Mein Eindruck ist, wenn wir uns vorher überlegen, für was wir stehen und wie wir gesehen werden wollen, ist es wahrscheinlicher, von den Richtigen gefunden zu werden.
  • Ich fand diese Tipps sehr hilfreich. In der Tat ist es schwierig, eine Position zu finden. Denn: Ich habe vielleicht eine Idee, ich habe erste Erfahrungen, ich kann meine Expertise meines Erstberufes mit einbringen. Aber wenn ich nun genau diesen Bereich etwas hinter mir lassen möchte? Ich habe vielleicht eine Vorstellung, was ich kann, aber noch keine Gelegenheit, mich in dem neuen Feld auszuprobieren? Das braucht Geduld. Mein erster Fall ist im Bereich Familie: Läuft das so gut, dass ich dabei bleibe? DIe Fragen des ersten Marketingseminars liegen schon etwas zurück, die Ideen von dort scheinen nicht mehr so überzeugend... oder vielleicht doch?
    Hilfreich fand ich auch das Bilde mit dem Haus: Ich habe auch große Lust mich weiterzubilden - und da bräuchte ich noch Hilfe: Wenn ich jetzt noch meine Expertise im Coaching ausbauen möchte, bleibe ich im Format Mediation oder wähle ich eins, was Mediation ergänzt? Da versuche ich gerade Klarheit zu bekommen.

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